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Arnold Vogt
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Förderpreis für museumspädagogische Forschungen.
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Museumspädagogik als akademisches Lehrgebiet zählte während Arnold Vogts Professur zu den Alleinstellungsmerkmalen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig; sie ist zugleich ein Vertiefungsprofil des Studiengangs Museologie an der HTWK Leipzig. Ihre überregionale Bekanntheit und theoretische Einordnung zwischen Erziehungswissenschaft und Geschichtsdidaktik verdankt die Leipziger Museumspädagogik Prof. Dr. Arnold Vogt (1952–2004), von 1993 bis 2004 Inhaber dieser Professur, außerdem Vorstandsmitglied und Ehrenvorsitzender des damaligen Arbeitskreises Museumspädagogik Ostdeutschland e.V. (AKMPO, inzwischen: Länderverband Museumspädadogik Ost e.V.).
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Zur Erinnerung an Prof. Dr. Vogt vergibt die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Fakultät Medien, jährlich eine Auszeichnung für praxisrelevante, innovative Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet, den
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Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik.

Dieser Förderpreis richtet sich an alle Absolventinnen und Absolventen von Universitäten, Fachhochschulen und gleichrangigen Hochschulen im deutschen Sprachraum, deren Abschluss- oder Qualifikationsarbeiten sich mit Museumspädagogik befassen. Bachelor- und Master-Thesen, Diplom-, Magister-, und Doktorarbeiten  sind gleichberechtigt zugelassen.
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Der Gegenstandsbereich „Museumspädagogik“ wird hier verstanden als personale Kommunikation, als Bildungsarbeit, die Museen oder Gedenkstätten für unterschiedlichste Zielgruppen anbieten. Untersuchungen zur medialen Inhaltsvermittlung einschließlich Ausstellungen gehören nicht zum thematischen Feld dieses Förderpreises.
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Der Arnold-Vogt-Preis ist mit einem Preisgeld von 1.000 € verbunden. Über die Verleihung entscheidet eine dreiköpfige Jury. Die Jury ist berechtigt, den Preis auch hälftig an zwei Personen zu vergeben.
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Für evtl. Rückfragen steht gern zur Verfügung der Vorsitzende der Jury, 

Prof. Dr. Dr. Markus Walz
HTWK Leipzig, Fakultät Medien
Postfach 30 11 66, 04251 Leipzig
Karl-Liebknecht-Str. 145, 04277 Leipzig
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Mail: markus.walz(bei)htwk-leipzig.de
(bei) = @
www.htwk-leipzig.de/.../Markus_Walz
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Anschnitte der museumspädagogischen Forschung
Quelle: Sachsens Museen, Mitteilungen der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, Nr. 1 / 2018, S. 66-76
 
 

Arnold-Vogt-Preis 
Zwölf Auslobungen, zehn ausgezeichnete Schriften, 
drei Buchveröffentlichungen, ein 65. Geburtstag


Arnold Vogt (1952-2004) zählte zu den profiliertesten Museumspädagogen Deutschlands: als Professor am Studiengang Museologie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig), als Gründungsmitglied des AKMPO, des heutigen Länderverbands Museumspädagogik Ostdeutschland, und des Arbeitskreises Museumspädagogik in der Konferenz für Geschichtsdidaktik sowie als Forscher mit zahlreichen Publikationen.1 Er ist der Namenspatron der einzigen Auszeichnung für deutschsprachige Qualifikationsschriften über personale Vermittlung in Museen oder Gedenkstätten, des Arnold-Vogt-Preises für Museumspädagogik. Arnold Vogt wäre 2017 mit 65 Jahren in den Ruhestand verabschiedet worden; dieses nicht mehr erlebte Datum in der Berufstätigkeit des Namenspatrons bietet einen Anstoß, neben der jüngsten Preisverleihung im November 2016 auf den Ertrag von zwölf Ausschreibungen dieser Auszeichnung zurückzublicken und mit diesem Sachstandsbericht den Entwicklungsstand der museumspädagogischen Forschung zu konturieren.

Der erste Förderpreis für museumspädagogische Untersuchungen

Nachdem Arnold Vogt überraschend während der Vorlesungszeit des Wintersemesters 2004/05 verstorben war, hatten die Hinterbliebenen die Idee, zum Gedenken ein Stipendium für Museologie-Studierende der HTWK Leipzig auszureichen. Gemeinsame Diskussionen entwickelten daraus einen wettbewerblichen Vergleich museumspädagogischer Studien, über die Grenzen Leipzigs hinaus. Spenden aus Vogts Nachlass ermöglichten der HTWK Leipzig, den »Arnold-VogtPreis für Museumspädagogik« 2006 erstmals auszuloben und mit 1.000 Euro zu dotieren. Mit der Organisation wurde der Autor dieses Beitrags beauftragt, als Jury betätigen sich mit ihm Vogts Nachfolgerin Gisela Weiß und der Spender Alois Verheyen. Sieben Bewerbungen 2006, acht im Folgejahr von Lüneburg bis Karlsruhe, von Frankfurt am Main bis Dresden ermutigten zur unbefristeten Fortführung. Die Finanzierung gewährleistet nun die 2007 aus Vogts Nachlass errichtete selbstständige Stiftung_A.

Grundgedanke war und ist, über den Tellerrand der Leipziger Museologie hinauszuschauen, neue Gedanken auch aus anderen Hochschulen kennenzulernen und die Leipziger Studierenden damit bekannt zu machen. Die Preisträgerinnen und Preisträger kommen nicht nur zur Preisverleihung nach Leipzig, sondern sind aufgefordert, ihre Schrift mit Museologie-Studierenden, dem Fakultätskollegium und der Fachöffentlichkeit im Rahmen einer öffentlichen Hochschulveranstaltung zu diskutieren. Rasch hatte dieses neue Ereignis einen festen Platz im Fakultätskalender; der Dekan der Fakultät Medien — dieses Amt bekleidet während der gesamten Berichtszeit Prof. Dr.-Ing. Uwe Kulisch — war gern bereit, jeweils die Urkunde (und den diskreten Hinweis auf die Überweisung des Preisgeldes) persönlich in dieser Feststunde zu überreichen. Das anschließende Abendessen im kleineren Kreis entwickelte sich zu einer Art akademischer Familienfeier, zu der alle bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger eingeladen sind. 2012 war mit Prof. Thomas Sieber, Zürich, erstmals der Mentor einer preisgekrönten Arbeit dabei — das Modewort Vernetzung erhält so eine angenehme Verwirklichung für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Museumspädagogik.

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Arnold-Vogt-Preises sind:
2006: Carola Marx 
Promotion in Kommunikations-, Informationswissenschaft, FU Berlin, mit der Arbeit »Fremdsprachendidaktik und Museumspädagogik. Empirische Untersuchungen am Beispiel von Kunstmuseen«
2007: Dagmar Wunderlich 
Magister in Kulturwissenschaft, HU Berlin, mit der Arbeit »Machen Museen >Lust auf Kultur<? Kulturelle Bildung für Jugendliche im Museum«
2008: Christian Bies 
Magister in Erziehungswissenschaft, Universität Leipzig, mit der Arbeit »Das Museum als Lern- und Erfahrungsort — explorative Studie zur ziel-gruppenorientierten pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst«
2009: Mila Rümpler-Wenk 
Diplom in Erziehungswissenschaft, Universität Lüneburg, mit der Arbeit »Kinder im Museum: Möglichkeiten und Grenzen der frühkindlichen Bildung am Beispiel museumspädagogischer Angebote im Schwedenspeicher-Museum Stade«
2011: Esther Gajek 
Promotion in Vergleichender Kulturwissenschaft/Volkskunde, Universität Regensburg, mit der Arbeit »Seniorenprogramme an Museen. Eine ethnographische Annäherung an die Diversität der Erfahrungen der Teilnehmer«
2012: Pia Luisa Schoof 
1. Staatsexamen Grundstufe, Universität Hamburg, mit der Arbeit »Museumspädagogik und Kunstvermittlung«
und Laura Hilti 
Master in Art Education, Zürcher Hochschule der Künste, mit der Arbeit »Das Museum als sozialer Raum«
2013: Dr. Claudia Rütsche 
Diplom im Nachdiplomstudiengang Psychologische Gesprächsführung und Beratung, Universität Zürich, mit der Arbeit »Den Museumsbesuch als persönliche Begegnung gestalten. Psychologische Gesprächssituationen in der Museumspädagogik und die Bedeutung von Empathie und Beziehung«
2014: Fabian Hofmann 
Promotion in Kunstpädagogik, Universität Frankfurt am Main, mit der Arbeit »Kunst-Pädagogik, Kunst-Aneignung, Kunst-Vermittlung. Fallspezifische empirische Untersuchungen zu zwei Schulklassen und einer Kita-Gruppe in Kunstausstellungen«.

Die zwölfte Auslobung, die zehnte preisgekrönte Schrift: 
der Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik 2016

Bei den zwölf Auslobungen befand die Jury dreimal keine Einsendung für preiswürdig (2010, 2015, 2017); da 2012 der Preis hälftig zwei Examensarbeiten zugesprochen wurde, kommen in diesen zwölf Jahren bei neun stattgefundenen Preisverleihungen zehn preisgekrönte Schriften zusammen. Zur bislang letzten Preisverleihung sichtete die Jury 2016 acht Bewerbungen – von Augsburg bis Marburg, von Freiburg bis Merseburg. Die Jury entschied einstimmig, den Arnold-Vogt-Preis 2016 an Antje Bredemann B.A. zu vergeben, die im Sommer 2016 den Bachelorstudiengang Museologie an der HTWK Leipzig erfolgreich abgeschlossen hatte.

Frau Bredemann setzt zwei neue Akzente in dieser Prämierung. Ihre Bachelorarbeit ist von Anbeginn des Preises die erste und bislang einzige »hausinterne« Bewerbung um den Arnold-Vogt-Preis. Während die bisher preisgekrönten Hochschulschriften bestimmte Lehr-Lern-Situationen in Museen oder einzelne museumspädagogische Zielgruppen in den Blick nahmen, gilt hier das Interesse der ausübenden Berufsgruppe, genauer den Auffassungen von deren Arbeitgebenden.

Um darin Einblicke zu gewinnen, analysiert diese Bachelorarbeit die Texte einschlägiger Stellenanzeigen; als Datengrundlage stellte der Deutsche Museumsbund alle zwischen 2005 und 2014 in dessen Online-Jobbörse erschienenen Inserate zur Verfügung. Das Aufgabengebiet Museumspädagogik und dessen Personalbestand ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich und deutlich gewachsen, gleichwohl fehlen nähere Kenntnisse: Bislang gibt es nur quantitative Erhebungen zur Menge des museumspädagogischen Personals in Deutschland und zur wirtschaftlichen Lage (über die tariflichen Stellenbewertungen bzw. über die Outsourcing-Menge in Form von Honorarverträgen). Unbekannt war, welche Kenntnisse und Fähigkeiten die Arbeitgebenden von ihren museumspädagogischen Kräften erwarten, was als Qualifikation, als Berufserfahrung oder als »Soft Skills« mitgebracht werden soll.

Die Bachelorarbeit mit dem Titel »Das Tätigkeitsfeld der Museumspädagogik im Spiegel von Stellenanzeigen: Anforderungen und Anerkennung« füllt erstmals diese Wissenslücke aus, stellt auch die Beziehung zu den angebotenen Arbeitsentgelten her. Die Jury hob besonders hervor, dass die Autorin Aspekt für Aspekt konsequent abschreitet, als zweite Untersuchungsebene die Einzelfaktoren miteinander in Beziehung setzt und jeden Darstellungsabschnitt mit zweckmäßigen Grafiken veranschaulicht. Am 28. November 2016 stellte Frau Bredemann ihre Untersuchung in einem öffentlichen Vortrag zur Diskussion. Bei dieser Gelegenheit überreichte ihr der Dekan der Fakultät Medien, Prof. Dr.-Ing. Uwe Kulisch, die Urkunde zum Arnold-Vogt-Preis 2016.

Bewerbungen als Spiegelbild museumspädagogischer Forschung

Die zehn preisgekrönten Examensarbeiten machen augenfällig, dass eine Befürchtung aus der Entwicklungsphase (und bis heute bei manchen Studierenden) keine Grundlage hat: Es ist nicht einfach, bei der Beurteilung der Einsendungen stets im Blick zu behalten, dass sehr unterschiedliche Leistungsniveaus, Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten und prüfungsrechtlich zulässige Bearbeitungszeiten nebeneinandertreten; im Ergebnis ist es aber keineswegs so, dass der höhere Anspruch, die unbegrenzte Bearbeitungszeit und die Studienerfahrung, die in der Natur einer Dissertation liegen, dazu führen, dass Bewerbungen mit anderen Abschlussarbeiten von den jeweils eingereichten Doktorarbeiten auf aussichtslose Plätze verwiesen würden: Drei Dissertationen wurden ausgezeichnet, dreimal lagen keine Doktorarbeiten vor (2007, 2008, 2013), sodass sich in diesen Vergleichen dreimal Bachelor-, Master-, Diplom oder Staatsexamensarbeiten gegen Dissertationen behaupten konnten.

Bei sachlicher Betrachtung ist das nicht ungewöhnlich, schließlich bietet nicht jede Dissertation einen nennenswerten Forschungsertrag. Davon abgesehen, müssen bei einem Selbstbewertungsverfahren nicht zwingend hochrangige Forschungsleistungen gegeneinander antreten, da die individuelle Selbsteinschätzung der Autorinnen und Autoren sowie der finanzielle Anreiz des Preisgeldes das Bewerbungsfeld beeinflussen.

Dass nur jede dritte preisgekrönte Schrift eine Dissertation ist, könnte auch so gedeutet werden, dass museumspädagogische Themen seltener für Doktorprüfungen als für vorangehende Abschlüsse ausgewählt werden; in diese Richtung weist auch das gänzliche Fehlen von Habilitationsschriften. Tatsächlich decken die mit den Bewerbungsschriften erreichten Abschlüsse die ganze Bandbreite akademischer Grade ab, wobei Promotionen eine der Minderheitsgruppen sind: Bachelor (9), Fachhochschul-Diplom (4), Staatsexamen (6), Magister (17), Master (23), Kunsthochschul- oder Universitäts-Diplom (4), Promotion (6), Weiterbildungsprogramme (2).

Bedauerlicherweise liefert der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek bei Kombination des Schlagworts »Museumspädagogik« mit dem Hochschulschriftenvermerk »Dissertation« nur drei verschiedene Schriften aus den Jahren 2015 und 2016, was mit den Bewerbungen um den Arnold-Vogt-Preis nicht übereinstimmt. Eine aus anderem Anlass 2014 im selben Katalog unternommene Recherche mit den Schlagwörtern »Museum« und/oder »Museumswissenschaft« fand insgesamt 146 Dissertationen und zwei Habilitationen auf, die zwischen 1987 und 2011 an deutschen Hochschulen angenommen wurden (ohne 21 Abhandlungen zu Sammlungsbeständen).2 Hierunter sind immerhin 15 Dissertationen zu museumspädagogischen Themen, keine Habilitationen — die These ist also berechtigt, dass Museumspädagogik ein eher seltenes Thema für höherrangige Hochschulschriften ist.

Für Qualifikationsschriften allgemein schaut es mit 77 Bewerbungen in zwölf Jahren nicht viel besser aus. An Bekanntheit mangelt es nicht: Die 46 vertretenen Hochschulen verteilen sich auf nahezu den gesamten deutschen Sprachraum, auch wenn die Deutschschweiz und Österreich (je drei Hochschulen) schwächere Beteiligung aufweisen. Nur drei deutsche Bundesländer sind bislang nicht vertreten: Brandenburg, Rheinland-Pfalz und das Saarland; die vier Länder mit je einer Bewerbung sind angesichts ihrer begrenzten Anzahl an Hochschulen unauffällig (Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Thüringen). Spitzenreiter ist Berlin (14 Bewerbungen aus vier Hochschulen), gefolgt von Bayern (neun aus sieben), Nordrhein-Westfalen (acht aus sechs) und Niedersachsen (sieben aus vier). Sachsen als Sitzland der auslobenden Hochschule spielt mit sechs Bewerbungen eine weniger herausragende Rolle, als man wegen der engeren Kontakte im Nahraum vermuten möchte (sechs Bewerbungen aus vier Hochschulen; die auslobende HTWK ist nur mit einer einzigen Bewerbung beteiligt). Ungleichgewichte in Mitteldeutschland erklärt die unterschiedliche Hochschuldichte in den drei Ländern (sechs Bewerbungen aus Sachsen, drei aus Sachsen-Anhalt, eine Bewerbung aus Thüringen). Gewisse örtliche Konzentrationen deuten nach dem ungeschlagenen Stadtstaat Berlin auch sechs Bewerbungen aus zwei Hochschulen in Zürich an.

Alle Hochschultypen sind dabei: 26 Universitäten (49 Bewerbungen), fünf Kunsthochschulen (zehn Bewerbungen), sieben Fachhochschulen (neun Bewerbungen), vier Pädagogische Hochschulen (vier Bewerbungen), zwei Musikhochschulen (zwei Bewerbungen) und zwei sonstige Institutionen (Weiterbildungshochschulen, mit ebenso vielen Bewerbungen). Die große Anzahl der Hochschulen steht für eine räumliche Streuung der Bewerbungen, weniger für deren Konzentration an einzelnen Hochschulen. Spitzenreiter sind die Freie Universität Berlin mit sieben und die Zürcher Hochschule der Künste mit fünf Bewerbungen, gefolgt von der Universität Frankfurt am Main (4), der Humboldt-Universität zu Berlin sowie den Universitäten Hamburg, Leipzig und Münster (je 3). Die größte Gruppe sind allerdings die dreißig Hochschulen, aus denen in zwölf Jahren nur je eine Bewerbung eintraf.

Der Streuung über eine große Menge von Hochschulen und quer über alle Hochschultypen entspricht die Vielfalt der mit den Bewerbungsschriften abgeschlossenen Studiengänge — beginnend mit der überraschenden Feststellung, dass es zwar Studienangebote gibt, die explizit Museumspädagogik heißen (Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken, und — zurzeit ruhend — Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd), aber dass von dort keine Bewerbungen eingingen. Zieht man Begriffe heran, die — zumindest in den Internetpräsenzen der betreffenden Institute — als Oberbegriffe zu Museumspädagogik fungieren (Kulturpädagogik, Medienpädagogik), zeigen sich zwar Bewerbungen, aber nur wenige aus (zu) wenigen Hochschulen.

Verwendet man den allgemeineren Dachbegriff Pädagogik, schält sich mit der Hälfte der Einsendungen die beherrschende Fächergruppe heraus (39 von 77 Bewerbungen), die allerdings in sich stark fraktioniert ist in Kunstpädagogik (11), Haupt- oder Monofach Pädagogik (9), Lehrämter (6), Kultur- und/oder Medienpädagogik (5), Sozialpädagogik (4), Geschichtsdidaktik (3), Musikpädagogik (1): Museumspädagogik ist nicht nur eine Sonderpädagogik, sondern ihrerseits auch eines von mehreren Anwendungsgebieten der Erziehungswissenschaft an sich und anderer Sonderpädagogiken.

Die zweite Hälfte (38 Bewerbungen) lässt sich in mehrere grobe Gruppen unterteilen: in der Museumsarbeit vertretene Geisteswissenschaften (Europäische Ethnologie/Volkskunde mit sechs, Geschichtswissenschaft mit vier, Ethnologie und Kunstgeschichte mit je zwei Bewerbungen, Ur- und Frühgeschichte mit einer Bewerbung), das Feld des Kulturmanagements in weiterem Sinn (Kulturmanagement mit vier, Kulturwissenschaft mit drei, Kommunikationsmanagement mit zwei Bewerbungen), Kommunikationswissenschaft (mit vier Bewerbungen), unmittelbar museumsbezogene Studiengänge (Museologie, Museumskunde, »Museum und Ausstellung« mit je einer Bewerbung) sowie eine zusammenhanglose Restgruppe sonstiger Studiengänge (Kunst im Kontext mit zwei Bewerbungen, Politologie und Psychologie mit je einer Bewerbung). Mehrere Bewerbungen je Studienfach entstehen überwiegend durch Bewerbungen aus verschiedenen Hochschulen; so ist bei Europäische Ethnologie/Volkskunde nur Tübingen zweimal vertreten, die restlichen vier Bewerbungen kommen aus Bamberg, Freiburg im Breisgau, Jena und Regensburg. Ein erhöhtes Interesse an Museumspädagogik in einem einzelnen Institut deuten nur die Kunstpädagogik (Art Education) der Zürcher Hochschule der Künste (fünf der elf kunsterzieherischen Bewerbungen kommen von dort), die Kommunikationswissenschaft (alle vier Bewerbungen aus der Freien Universität Berlin) und die Lehramtsstudiengänge (drei von sechs Bewerbungen aus der Universität Hamburg) an.

Bemerkenswert, aber schwer interpretierbar ist der Sachverhalt, dass zwar ähnlich viele Hochschuleinrichtungen für Kunsterziehung und Geschichtsdidaktik existieren, aber beim Arnold-Vogt-Preis die Kunsterziehung deutlich besser vertreten ist als die Geschichtsdidaktik. Die museumsrelevanten Geisteswissenschaften, die in der Berufspraxis — nicht nur bei der wissenschaftlichen Arbeit und der Museumsleitung, sondern auch in der Museumspädagogik — eine große Rolle spielen, erbringen gemeinsam nur 15 Bewerbungen.

Dieses magere und zugleich stark fragmentierte Bild ist noch etwas zu positiv gezeichnet: Die Gesamtzahl von 77 Bewerbungen ergibt sich aus allen zugelassenen Bewerbungen; der Juryvorsitzende hat in den zwölf Jahren nur wenige Bewerbungen zurückgewiesen, die der Ausschreibung in keiner Weise entsprechen (z. B. eine künstlerische Arbeit oder Abhandlungen, die nicht in die Kategorie der akademischen Examensarbeiten fallen). Die nähere Prüfung der eingesendeten Schriften durch die Jury ergab allerdings, dass immer wieder Bewerbungen eingesendet werden, die, nach vollständiger Lektüre beurteilt, dem Profil des Arnold-VogtPreises kaum entsprechen, da sie sich auf »personale Vermittlung in Museen oder Gedenkstätten« nur marginal oder gar nicht beziehen. Ein Drittel aller Bewerbungen (26 von 77) fällt darunter. Wenn man diese Hochschulschriften grob klassifiziert, treten 15 Schriften, die sich auf Ausstellungen beziehen, als größte Gruppe heraus; im Detail geht es um die Bandbreite vom inhaltlichen Ausstellungskonzept und dem Kuratieren von Kunstpräsentationen über Ausstellungsdesign/ Szenografie, Ausstellungs-Publikumsforschung und qualitative Evaluation bis zur wissenschaftlichen Ausstellungsanalyse. Die übrigen Themen streuen breit, von museologischer Theorie, Museumsgeschichte oder der Vorstellung eines Museumstyps bis zur Analyse der Forschungsarbeit eines Museums oder zu digitalen Vermittlungsformaten. Zwei Hochschulschriften beziehen sich noch nicht einmal auf Museen, geschweige denn auf Museumspädagogik (Evaluation eines Mahnmals, Erinnerungskultur einer Nation).

Diese große Menge an letztlich verfehlten Bewerbungen lässt sich mit oberflächlichem Informationsverhalten erklären: Der Preis trägt das Wort »Museumspädagogik« im Namen, das Aushangblatt für Hochschulinstitute und der Auslobungstext titeln mit »Förderpreis für Hochschulschriften zur personalen Bildungsarbeit in Museen oder Gedenkstätten«. Anscheinend interpretieren manche Interessierten den geforderten Bezug auf personale Vermittlung sehr großzügig; der Auslobungstext kündigt eine »Auszeichnung für praxisrelevante, innovative Forschungsergebnisse zur Bildungsarbeit in Museen und Gedenkstätten« an, was ähnlich überdehnt verstanden wird. Ein anderer Interpretationsansatz vermutet bei den Bewerberinnen und Bewerbern die Meinung, dass marginale Bezugnahmen für eine Prämierung ausreichen könnten oder dass die grundsätzliche Beziehung zwischen Museumspädagogik und Ausstellungen hinreiche, Untersuchungen einzusenden, die sich ausschließlich mit Ausstellungen befassen.

Die bereits vorgestellten Analysen der Bewerbungen sollen hier nicht für die »ernsthaft« mit Museumspädagogik befassten Studien wiederholt werden, da die Streuung der bezugsarmen oder bezugslosen Bewerbungen keine Auffälligkeit gegenüber den vorgetragenen Befunden hat: So gibt es auf der Grundlage der 51 »tatsächlich einschlägigen« Bewerbungen nur ein Bundesland mehr, aus dem keine Bewerbung eintraf (Schleswig-Holstein); andererseits geht bei einigen Hochschulen mit mehreren Bewerbungen die Anzahl der berücksichtigten Hochschulschriften zurück — am deutlichsten bei der Freien Universität Berlin: von sieben auf eins —, sodass der Streuung in der Breite noch weniger Konzentration an einem Ort gegenübersteht. Berlin verliert seine herausragende Position, ohne dass sich die Menge der betroffenen Hochschulen reduziert (in der überarbeiteten Auszählung sechs statt 14 Bewerbungen aus unverändert vier Hochschulen).

Bemerkenswerter erscheint, dass die Menge der zu beurteilenden Hochschulschriften weiter abnimmt auf durchschnittlich nur 4,25 Bewerbungen pro Jahr; die schwankenden jährlichen Bewerbungsmengen reduzieren sich unterschiedlich, da die Menge der bezugsarmen oder bezugslosen Bewerbungen ihrerseits schwankt: In drei Jahren entsprach jede Bewerbung den Auslobungskriterien, in zwei Jahren tat es die Mehrheit nicht, darunter 2017: Hier entsprach keine der vier Bewerbungen den Auslobungskriterien.

Eine Schriftenreihe als zweite Förderstrecke

Schon die ersten Jahrgänge des Arnold-Vogt-Preises signalisierten ein unter verschiedenen Disziplinen aufgeteiltes, diskontinuierliches Forschungsfeld mit geringer Außenwirkung. Von den ausgezeichneten Schriften sind nur die Dissertationen durch die in den deutschen Promotionsordnungen angeordnete Veröffentlichungspflicht der interessierten Fachöffentlichkeit zugänglich.3 Die fördernde Stiftung_A hatte deswegen den Eindruck, mit der Finanzierung des Arnold-Vogt-Preises zwar ein gutes Signal zu setzen, aber kaum an einen nachhaltigen Ertrag zu gelangen.

Die Ausschreibungsformel, dass »praxisrelevante, innovative Forschungsergebnisse« ausgezeichnet werden, erfüllt sich kaum, wenn eine praxisrelevante Untersuchung identifiziert, aber der museumspädagogischen Praxis nicht bekannt wird. Andererseits enthalten Qualifikationsarbeiten unterhalb des Niveaus von Dissertationen Methodendiskussionen und Begriffsklärungen, die im Prüfungszusammenhang notwendig sind, eine informierte Leserschaft aber unterfordern; folglich schienen (überarbeitete) Publikationen der ausgezeichneten Schriften wünschenswert.
 
 
Ausgewählte Buchtitel
der Schriftenreihe Vogtensien - 
Impulse für die Museumspädagogik

Die vielfältige Struktur der Fakultät Medien bot besondere Möglichkeiten, diesen Gedanken näher zu prüfen. Projekte im Masterstudiengang Verlags- und Handelsmanagement der HTWK Leipzig analysierten die Idee eines studentischen Projektverlags für den Arnold-Vogt-Preis, empfahlen im Ergebnis einhellig die professionelle Lösung mit einem kommerziellen Verlag. Angesichts des in der Mediennutzung vergleichsweise konservativen Umfelds – Geisteswissenschaften haben eine unveränderte Nähe zum gedruckten Buch, für Museumsfachleute mag das zähe Fortleben analoger Aufzeichnungsmedien in der Dokumentation ein Hinweis sein – fiel die Entscheidung zugunsten einer physischen, keiner elektronischen Buchreihe.

Die fraktionierte Wahrnehmung verlangte eine fachliche Verortung der Publikationsidee, ohne sich auf einzelne Geisteswissenschaften oder Fachdidaktiken festzulegen; dies geschah zugunsten des Dachthemas Museum in der Annahme, dass dort mehr Aufmerksamkeit für derartige Titel zu finden ist als in erziehungswissenschaftlichen Umfeldern. Herstellungskostenzuschüsse sind Ausgangspunkt jedes Verlagsinteresses, denn schon das Museumswesen allgemein beweist sich selten als tragfähiger Buch-Absatzmarkt. Grundlagen waren deswegen der Förderwille und die Ertragsaussichten der Stiftung_A. Es überraschte, dass zwei einschlägige Verlage glatt ablehnten; ein weiterer Verlag deutete mit einer extremen Zuschusserwartung Desinteresse an. Nur eine Erläuterung war erhältlich; dort entsprach die gewollte Offenheit des Arnold-Vogt-Preises nicht den Qualitätsvorstellungen des Verlags, der Examensarbeiten unter Promotionsniveau mangelnde Eignung für ein Fachpublikum unterstellt. Den Zuschlag erhielt nach der Höhe des erwarteten Zuschusses, der Transparenz dieser Forderung und der Bearbeitungsgeschwindigkeit der Anfrage der Verlag BibSpider, Berlin – ein auf Bibliothekswissenschaft, Archive (einschließlich »Historischer Bildungsarbeit«) und Museen konzentrierter Kleinverlag.

Die Flexibilität der Verlegerin, Dr. Walburga Lösch, gestattete, ein weiteres studentisches Element einzubinden: Die typografische Gestaltung und den Einbandentwurf der Buchreihe nahm Prof. Christian Ide als Prüfungsaufgabe im Bachelorstudiengang Buch- und Medienproduktion der HTWK Leipzig an. In einem marktnahen Studiengang sind kleine Preisgelder als Stimulus nicht unüblich; Fördergelder der Stiftung_A ebneten auch diesen Weg. Verlag, Stiftungsvorstand und Juryvorsitz sichteten gemeinsam mit Prof. Ide die Ergebnisse; es überzeugte der Entwurf von Katharina Seifert.

Als Reihentitel wurde »Vogtensien — Impulse für die Museumspädagogik« erfunden. Pünktlich zur Preisverleihung 2012 — und in Erinnerung an den 60. Geburtstag von Arnold Vogt — lag der erste Band der neuen Schriftenreihe vor 4, im Herbst 2013 der zweite.5 Beide Bücher sind in Kleinauflage erschienen und noch lieferbar, obschon Stiftung_A durch bei ihr abrufbare Buchgeschenke an Fachbibliotheken oder Studierende zusätzliche Anstrengungen zur Verbreitung unternimmt. Ende 2017 ist Band 3/4 erschienen. Die Zählung als Doppelband deutet an, dass zwei ausgezeichnete Untersuchungen gemeinsam veröffentlicht werden, diejenigen von Antje Bredemann und Claudia Rütsche.6

Die komplexe Realität einer museumspädagogischen Schriftenreihe

Anstelle der naiven Logik, dass binnen Kurzem ein Rhythmus entstehe (jährlich eine Preisverleihung, bei der zugleich die Buchveröffentlichung der im letzten Jahr ausgezeichneten Schrift vorgestellt wird), erweist sich die Schriftenreihe als schwerblütiges Geschäft: Obschon der Auslobungstext des Arnold-Vogt-Preises seit Existenz der »Vogtensien« auf die mit dem Preis verbundene Schriftenreihe hinweist, haben sich Promovenden teils schon vorher für eine anderweitige Publikation entschieden, teils versprechen sie sich mehr Resonanz von einer Veröffentlichung in einem ihnen fachlich näher liegenden Umfeld. Das ist nicht zu kritisieren, beruht auch auf akademischen Traditionen (etliche Hochschulinstitute haben hauseigene Schriftenreihen) und auf dem Wettbewerb im Buchmarkt (die »Vogtensien« konkurrieren mit anderen Schriftenreihen).

Den Gedankenanstoß lieferten die neben den Dissertationen ausgezeichneten Hochschulschriften. Dieses Segment zeigt weitere Besonderheiten, die der Kontinuität der Reihe zum Nachteil gereichen: Es entstehen inzwischen gewollt pointierte, knappe Examensarbeiten (insbesondere, aber nicht nur in Weiterbildungs - Studiengängen), die sich als Buchveröffentlichung allein wegen des begrenzten Umfangs nicht eignen. Es ist nicht unüblich, eine erste Examensarbeit als Ausgangspunkt einer erweiterten oder vertieften Untersuchung für den nächsten akademischen Grad zu nutzen; verständlicherweise möchten diese Preisträgerinnen und Preisträger das Erstlingswerk nicht veröffentlichen.

Nicht zuletzt ergeben sich unüberwindliche Hürden aus dem Überarbeitungsbedarf: Es erscheint nicht nur für die Leserinnen und Leser eine Zumutung, Fachbücher zu veröffentlichen, die bei (nicht immer aktuellen) Definitionen von Museum und Museumspädagogik beginnen, sondern auch als ungerecht gegenüber diesem wissenschaftlichen Nachwuchs, deren Examensarbeiten zu veröffentlichen, ohne zuvor manche fehlenden Argumente und Literaturverweise nachzuarbeiten oder Lücken, die bei festliegenden Prüfungsfristen bleiben müssen, zu füllen. Bearbeitungsvorschläge und Hilfestellungen des Herausgebers können nicht bis zur Ergänzung von Forschungsdaten reichen, entheben andererseits nicht von der Pflicht, eingebrachte Korrekturen mit der Autorin, dem Autor abzustimmen. Hier setzt nicht der wirtschaftlich abgesicherte Hochschullehrer Grenzen, sondern die Lebensrealität von jungen Menschen am Berufsanfang oder in einem anspruchsvollen weiterführenden Studium. Kurz gesagt: Nicht jede preisgekrönte Schrift gelangt zwischen Buchdeckel, obwohl die finanzierende Stiftung und die auslobende Hochschule viele Wege ebnen.

Ausblick

Die speziellen Schwierigkeiten des kleinen Forschungsfelds Museumspädagogik waren auch zuvor bekannt, zeigen sich nun aber in scharfer Kontur. Eine wissenschaftliche »Community« existiert wohl nur insofern, wie es Ausübende des Berufs gibt, für die mehrere deutsche Organisationsstrukturen nebeneinander stehen: Der Bundesverband Museumspädagogik mit seinen Landesverbänden, im Deutschen Museumsbund der Arbeitskreis »Bildung und Vermittlung« und die (über die gängige ICOM-Definition von Museum hinaus weitere Institutionen umfassende) Gedenkstättenpädagogik. Eine akademische Verortung im Sinn von Instituten oder fachlich nahestehenden Hochschulen fehlt, wie die breite geografische Streuung und die Vereinzelung der Bewerbungen je Hochschule deutlich zeigen. Nicht von ungefähr gibt es seit Jahren deutschlandweit nur drei Professuren für Museumspädagogik 7, von denen bisher nur jene an der HTWK Leipzig Kontinuität über die Amtszeit eines Stelleninhabers hinaus bewiesen hat.

Eine zusätzliche Hürde ergibt sich aus dem, was man »doppelte Sonderpädagogik« nennen mag: Museumspädagogik kann ein Anwendungsfeld in einem übergeordnet gedachten Bereich (z. B. Kulturpädagogik), in der Schul- oder Erwachsenenpädagogik sowie in einer gleichrangigen Sonderpädagogik (z. B. Freizeitpädagogik) sein; die Selbsteinschätzung der Autorinnen und Autoren, zur Museumspädagogik beizutragen, trübt sich deswegen möglicherweise genauso ein wie das diesbezügliche Interesse der Leserinnen und Leser. In diese Richtung weist die Analyse der Berufswege von Personen, die eine der erwähnten 15 Dissertationen verfasst haben, die einen museumspädagogischen Inhalt aufweisen und bibliothekarisch das Schlagwort »Museum« und/oder »Museumswissenschaft« zugeteilt bekamen: Zu acht Personen waren Lebenswege über Internet-Recherchen nachzuzeichnen. Davon ist nur eine (freiberuflich) als Museumspädagogin tätig; neben ihr finden sich zwei Personen auf fachdidaktischen Professuren, drei auf fachdidaktischen Hochschulstellen und zwei Personen im Schuldienst.8

Die berufliche Position der zehn Trägerinnen und Träger des Arnold-Vogt-Preises zeigt sich vorteilhafter (und mag sich noch aufhellen, da ein Bildungsweg noch nicht abgeschlossen ist) mit zwei hauptberuflichen Museumsbeschäftigten — einer Abteilungsleiterin für Bildung und Vermittlung und einer Museumsdirektorin (die allerdings diese Position bereits vor Antritt des Weiterbildungsstudiums innehatte) — und zwei Selbstständigen (eine freischaffende Museumspädagogin, eine Ausstellungskuratorin); die Alternativen (je eine erziehungswissenschaftliche Hochschulprofessur, universitäre Lehrkraftstelle, freiberufliche Tätigkeit in der Kulturellen Bildung, zweimal Grundschullehramt) wiegen auch hier die Chancen innerhalb des Museumswesens auf.

Die schwache Resonanz auf die Auslobungen korrespondiert mit unlösbaren Kommunikationsproblemen, Personen, die sich selbst nicht in der Museumspädagogik verorten, sowie Studierenden in kaum zu kennenden Studienzusammenhängen zu erreichen. Außerdem mögen einschlägige wissenschaftliche Mailinglisten nicht alljährlich Hinweise auf die Auslobung aufnehmen; die Gelegenheit, »Aktuelles« auf einschlägigen Webseiten wie der Homepage des Bundesverbandes Museumspädagogik oder des Gedenkstättenforums zu posten, war zu Beginn des Arnold-Vogt-Preises eine gängige, ist inzwischen eine unmodern bis unmöglich gewordene Veröffentlichungsform.

Stiftung_A bietet kostenlose Erinnerungsmails (seit Juni 2018 nicht mehr) an — wer einmal auf den Preis aufmerksam wurde, kann sich so an den nächsten Bewerbungszeitraum erinnern lassen. Der Versand von farbig gedruckten Aushangblättern an einschlägige Hochschulinstitute steigt jährlich (durch die Aufnahme neuer Adressen, von denen erstmals eine Bewerbung eintraf); ohnehin werden fachlich nahestehende Institute (Kunsterziehung, Geschichtsdidaktik, Museumsstudiengänge) von Anfang an jährlich für ihre Anschlagbretter versorgt. Die Bewerbungsmengen konnten dadurch nicht gesteigert werden. Wenn andererseits immer wieder Bewerbungen aus akademischen Zusammenhängen eintreffen, zu denen weder persönliche Kontakte bestehen noch Versandadressen für die Aushangblätter gespeichert sind, erscheint es berechtigt zu behaupten, dass die magere Ausbeute nicht auf mangelnder Kenntnis infrage kommender Studierender oder auf mangelhafter Öffentlichkeitsarbeit beruht, sondern auf der problematischen akademischen Lage des Wissensgebiets selbst.

Offenbar ist die Anzahl für personale Vermittlung im Museum einschlägiger Hochschulschriften tatsächlich sehr begrenzt. Ihr punktuelles Auftreten an verschiedensten Hochschulen, die disperse Lage dieser Hochschulen quer durch den deutschen Sprachraum sowie die Dominanz unterer und mittlerer Qualifikationsstufen bei den mit den Hochschulschriften verbundenen Abschlüssen weisen alle in dieselbe Richtung eines mäßig geschätzten, nirgends kontinuierlich und ertragreich verfolgten Forschungsfelds: Offensichtlich bearbeitet der Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik einen besonders steinigen geistigen Acker.

» Markus Walz


(1) Verheyen, Alois: Arnold Vogt (1952-2004), Nestor der Museumspädagogik [einschl. Schriftenverzeichnis]. In: Wandel der Lernkulturen an Schulen und Museen. Paradigmenwechsel zwischen Schul- und Museumspädagogik. Hrsg. Arnold Vogt u. a. Leipzig: Universitätsverlag Leipzig, 2008 (Schriftenreihe des Zentrums für Lehrerbildung und Schulforschung an der Universität Leipzig; 7), 5.393-402. Zur Textstelle
(2) Walz, Markus: Museologische Kenntnisstände in der Hochschullehre. In: Handbuch Museum. Geschichte, Aufgaben, Perspektiven. Hrsg. Markus Walz. Stuttgart: Metzler, 2016, 5.382-384. Zur Textstelle
(3) Marx, Carola: Fremdsprachendidaktik und Museumspädagogik. Empirische Untersuchungen am Beispiel Kunstmuseen. Berlin: dissertation.de, 2008; Esther Gajek: Seniorenprogramme an Museen. Alte Muster— neue Ufer. Münster: Waxmann, 2013 (Regensburger Schriften zur Volkskunde —vergleichenden Kulturwissenschaft; 25); Fabian Hofmann: Pädagogische Kunstkommunikation zwischen Kunst-Aneignung und Kunst-Vermittlung. Fallspezifische empirische Untersuchungen zu zwei Schulklassen und einer Kita-Gruppe in Kunstausstellungen. München: Kopaed, 2015. Zur Textstelle
(4) Bies, Christian: Kunstmuseen als Lern- und Erfahrungsorte. Eine Evaluation museumspädagogischer Arbeit mit Schulklassen zu zeitgenössischer Kunst. Hrsg. Markus Walz. Berlin: BibSpider, 2012 (Vogtensien — Impulse für die Museumspädagogik; 1). Zur Textstelle
(5) Wunderlich, Dagmar: Museen aus der Perspektive von Jugendlichen. Evaluation eines Realschulprojekts im Kontext kultureller Bildung. Hrsg. Markus Walz. Berlin: BibSpider, 2013 (Vogtensien —Impulse für die Museumspädagogik; 2). Zur Textstelle
(6) Bredemann, Antje/Rütsche, Claudia: Aspekte museumspädagogischer Arbeit. Zwei Studien zu Personalanforderungen und psychologischen Gesprächssituationen. Hrsg. Markus Walz. Berlin: BibSpider, 2018 (Vogtensien — Impulse für die Museumspädagogik; 3/4). Zur Textstelle
(7) Grünewald Steiger, Andreas: Information — Wissen — Bildung. Das Museum als Lernort. In: Handbuch Museum. Geschichte, Aufgaben, Perspektiven. Hrsg. Markus Walz. Stuttgart: Metzler, 2016, S.278-282, hier: 280. Zur Textstelle
(8) Walz, Markus: Museologische Kenntnisstände in der Hochschullehre. In: Ebenda, 5.382-384, hier: S.383f. Zur Textstelle

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Sieben Jahre Arnold-Vogt-Preis
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Quelle: Bundesverband Museumspädagogik (Hg.), StandbeinSpielbein.Museumspädagogik aktuell, Nr.95, April 2013,S.54f

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Museumspädagogik als Thema von Hochschulschriften 
Markus Walz
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Arnold Vogt (1952-2004) zählte zu den profiliertesten Museumspädagogen Deutschlands: als Professor am Studiengang Museologie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig), als Gründungsmitglied des AKMPO und des Arbeitskreises Museumspädagogik in der Konferenz für Geschichtsdidaktik sowie als Forscher mit zahlreichen Publikationen.1  Die Idee der Hinterbliebenen, zum Gedenken ein Stipendium für Studierende auszureichen, führte zu einem Preis für deutschsprachige Qualifikationsschriften über personale Vermittlung in Museen oder Gedenkstätten.
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Der erste Förderpreis für museumspädagogische Untersuchungen
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Spenden aus Vogts Nachlass ermöglichten der HTWK Leipzig, den „Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik" 2006 erstmals auszuloben und mit 1.000 Euro zu dotieren. Mit der Organisation wurde der Autor dieses Beitrags beauftragt, als Jury betätigen sich mit ihm Vogts Nachfolgerin, Gisela Weiß, und der Spender Alois Verheyen. Sieben Bewerbungen 2006, acht im Folgejahr von Lüneburg bis Karlsruhe, von Frankfurt a.M. bis Dresden ermutigten zur unbefristeten Fortführung. Die Finanzierung gewährleistet nun die 2007 aus Vogts Nachlass errichtete selbständige Stiftung_A.
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Der Arnold-Vogt-Preis hat einen festen Platz im Fakultätskalender: Die Preistragenden kommen nach Leipzig, um ihre Schrift mit Museologie-Studierenden, dem Fakultätskollegium und der Fachöffentlichkeit zu diskutieren; das anschließende Abendessen im kleineren Kreis entwickelte sich zu einer Art akademischer Familienfeier. 2012 war mit Prof. Thomas Sieber, Zürich, erstmals der Mentor einer preisgekrönten Arbeit dabei.
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Die bisherigen Preistragenden sind: Carola Marx (Promotion in Kommunikations-, Informationswissenschaft, FU Berlin); Dagmar Wunderlich (Magister in Kulturwissenschaft, HU Berlin); Christian Bies (Magister in Erziehungswissenschaft, Universität Leipzig); Mila Rümpler-Wenk (Diplom in Erziehungswissenschaft, Universität Lüneburg); Esther Gajek (Promotion in Vergleichender Kulturwissenschaft/Volkskunde, Universität Regensburg); Pia Luisa Schoof (erstes Staatsexamen Grundstufe, Universität Hamburg); Laura Hilti (Master in Art Education, Zürcher Hochschule der Künste).
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Bewerbungen als Spiegelbild der Forschung
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Qualifikationsschriften bilden akademische Moden gut ab — personale Vermittlung in Museen rechnet mit 48 Bewerbungen in sieben Jahren wohl nicht dazu. An Bekanntheit mangelt es nicht: Die 32 vertretenen Hochschulen verteilen sich auf die Deutschschweiz, Österreich und elf deutsche Bundesländer, Spitzenreiter ist Berlin (elf Bewerbungen aus vier Hochschulen), gefolgt von Bayern (6 aus 5). Alle Hochschultypen sind dabei: sechzehn Universitäten (mit 31 Bewerbungen), sieben Kunsthochschulen, fünf Fachhochschulen, drei Pädagogische Hochschulen; die erreichten Abschlüsse decken die ganze Bandbreite ab: Bachelor (3), Diplom (7), Staatsexamen (6), Magister (17), Master (9), Promotion (6).
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Die unterschiedlichen pädagogischen Anknüpfungspunkte belegen die Vielfalt erziehungswissenschaftlicher Studiengänge (27 von 48 Bewerbungen), summiert aus Kunstpädagogik (9), Haupt- oder Monofach Pädagogik (8), Lehrämter (6), Sozialpädagogik (3), Kultur- und Medienpädagogik (z). Die restlichen 44 Prozent der Bewerbungen verteilen sich auf Europäische Ethnologie/ Volkskunde, Kommunikationswissenschaft, Kulturmanagement (je 4), Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte (je 2), Kunst im Kontext, Geschichte, Museumskunde und Prähistorie (je 1).
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Trotz vergleichbarer Anzahl der Hochschulinstitute ist Kunsterziehung besser vertreten als Geschichtsdidaktik. Die museumsrelevanten Geisteswissenschaften erbringen gemeinsam nur acht Bewerbungen. Lokale Museumsaffinität deuten die Kommunikationswissenschaft (alle aus der Freien Universität Berlin) und die Lehramtsstudiengänge (3 von 6 aus der Universität Hamburg) an; ein beliebteres Thema schimmert durch, wenn trotz Ausschluss im Auslobungstext immer wieder Studien über Ausstellungen oder deren Publikum eintreffen.
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Eine Schriftenreihe als zweite Förderstrecke
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Schon die ersten Bewerbungsjahrgänge signalisierten ein unter verschiedenen Disziplinen aufgeteiltes, diskontinuierliches Forschungsfeld. Nur zwei der bislang sieben ausgezeichneten Schriften fanden den Weg auf den Buchmarkt.2  Qualifikationsarbeiten müssen Methodendiskussionen und Begriffsklärungen erbringen, was eine informierte Leserschaft unterfordert; umso mehr schienen (überarbeitete) Publikationen wünschenswert.
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Die fraktionierte Wahrnehmung verlangte eine fachliche Verortung der Publikationsidee, ohne sich auf einzelne Geisteswissenschaften oder Fachdidaktiken festzulegen; dies geschah zugunsten des Dachthemas Museum in der Annahme, dass dort mehr Aufmerksamkeit für derartige Titel zu finden ist als in erziehungswissenschaftlichen Umfeldern. Herstellungskostenzuschüsse sind Ausgangspunkt jeden Verlagsinteresses, denn schon das Museumswesen allgemein beweist sich selten als tragfähiger Buch-Absatzmarkt. Grundlagen waren deswegen der Förderwille und die Ertragsaussichten der Stiftung_A, ohne damit offene Türen zu garantieren: Drei einschlägige Verlage hatten kein Interesse, diese Reihe aufzunehmen. Den Zuschlag erhielt nach der Höhe des Zuschusses, der Transparenz dieser Forderung und der Bearbeitungsgeschwindigkeit der Anfrage der Verlag BibSpider, Berlin – ein auf Bibliothekswissenschaft, Archive (einschließlich „Historischer Bildungsarbeit") und Museen konzentrierter Kleinverlag.
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Die Flexibilität der Verlegerin, Dr. Walburga Lösch, gestattete, ein weiteres studentisches Element einzubinden: Die typografische Gestaltung und den Einbandentwurf der Buchreihe nahm Prof. Christian Ide als Prüfungsaufgabe im Bachelorstudiengang Buch- und Medienproduktion der HTWK Leipzig an. In einem marktnahen Studiengang sind kleine Preisgelder als Stimulus nicht unüblich; Fördergelder der Stiftung_A ebneten auch diesen Weg. Verlag, Stiftungsvorstand und Juryvorsitz sichteten gemeinsam mit Prof. Ide die Ergebnisse; es überzeugte der Entwurf von Katharina Seifert.
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Pünktlich zur Preisverleihung 2012 lag der erste Band der neuen Schriftenreihe vor.3  Im Herbst 2013 wird der zweite erscheinen,4  der dritte Band ist in Planung. Stiftung_A leistet Starthilfe, indem sie einen Teil der Auflage erwirbt und in der Reihenfolge der Anfragen an interessierte Fachleute, Museen und Bibliotheken verschenkt.5  Die Kombination mit der Schriftenreihe soll die Attraktivität des Arnold-Vogt-Preises und zugleich die Einsicht steigern, dass Bildungsarbeit im Museum Forschungsgrundlagen hat und weitere benötigt – ganz im Sinn von Arnold Vogt, der 2012 sechzig Jahre alt geworden wäre.
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Dr. Dr. Markus Walz
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig/ Fakultät Medien
Karl-Liebknecht-Straße 132
04277 Leipzig
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Markus Walz ist Volkskundler, Professor für Theoretische und Historische Museologie; zuvor Volontariat im Landesmuseum Koblenz und Referent im LWL-Museumsamt für Westfalen, Münster.
 

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1 Verheyen, Alois: Arnold Vogt (1952-2004), Nestor der Museumspädagogik. In: Arnold Vogt u.a. (Hg.): Wandel der Lernkulturen an Schulen und Museen. Paradigmenwechsel zwischen Schul- und Museumspädagogik. Leipzig: Universitätsverlag, 2008, (Schriftenreihe des Zentrums für Lehrerbildung und Schulforschung an der Universität Leipzig; 7), 393-402. Zur Textstelle
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2 Marx, Carola: Fremdsprachendidaktik und Museumspädagogik. Empirische Untersuchungen am Beispiel Kunstmuseen. Berlin: dissertation.de, 2008 – Die Dissertation von Esther Gajek erscheint Ende 2013 bei Waxmann, Münster. Zur Textstelle
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3 Bies, Christian: Kunstmuseen als Lern- und Erfahrungsorte. Eine Evaluation museumspädagogischer Arbeit mit Schulklassen zu zeitgenössischer Kunst. Berlin: BibSpider, 2012 (Vogtensien – Impulse für die Museumspädagogik; 1) Zur Textstelle
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4 Wunderlich, Dagmar: Museen aus der Perspektive von Jugendlichen. Evaluation eines Realschulprojekts im Kontext kultureller Bildung. Berlin: BibSpider, [erscheint 2013] (Vogtensien – Impulse für die Museumspädagogik; 2)
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5 http://www.stiftung-a.de 
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