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Arnold Vogt
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Stand: Feb. 2015




























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 Gefallenengedächtnis in Freckenhorst
 Ein Spiegel des öffentlichen Kriegs- und Geschichtsbewußtseins
 in: Freckenhorst, Schriftenreihe des Freckenhorster Heimatvereins
 Heft 8 • Mai 1990, S. 73 - 86
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Arnold Vogt
Gefallenengedächtnis in Freckenhorst
Ein Spiegel des öffentlichen Kriegs- und Geschichtsbewußtseins

In beinahe allen Gemeinden des mitteleuropäischen Raumes sind heute Kriegerdenkmäler oder Mahnmähler zu sehen. Sie fallen im Gegensatz zu anderen Kunstobjekten durch einen durchweg vorteilhaften, publikumswirksamen Aufstellungsort auf (zum Beispiel Kirche, Markt, Hauptstraße, Park, Friedhof) sowie durch ihre Vielzahl und vor allem durch ihre existentiellen, gesellschaftlich-politischen Aussagen über Krieg, Gewalt und Tod. Sie leisten mehr als nur künstlerische Landschafts- oder Ortsbildgestaltung. Mit ihrer aufwendigen, attraktiven Erscheinung sollen sie ein maßgebender Wegweiser sein bei der Suche nach historischer und politischer Identität, nach einem Sinn für Leid und Tod von Mitbewohnern der Gemeinde durch Krieg und Gewalt. Dabei erfährt die Erinnerung an Tote oft eine ideale »heroische« Färbung, die beabsichtigt ist, um den Überlebenden ein »Beispiel«, Vorbild und Ansporn zu einem bestimmten Verhalten zu geben.

Aus diesen Gründen vermitteln politisch-weltanschauliche und künstlerisch-geschmackvolle Merkmale das einschlägige Denkmalswesen »nur« in Teilaspekten. Wichtig ist sein Symbolgehalt ebenso hinsichtlich der konstituiven Verankerung im (unpolitischen) Toten-Brauchtum, auch in kirchlich-religiösen Ausdrucksformen, zum Beispiel in Totenfeier oder -messe, in Frömmigkeit und kirchlichem Begräbnis.

Tod und Sterblichkeit bilden Grundfaktoren des menschlichen Selbstbewußtseins und der Lebensgestaltung schlechthin. Was Menschen gegenüber dem Tod und den Toten empfinden — Furcht, Zuneigung, Abwehr, Verbundenheit oder Gleichgültigkeit — wird deutlich im Totenbrauchtum. Es wurzelt im Volksglauben und ist Ausdruck allgemein-menschlicher Religiosität. Dies zeigt sich besonders deutlich in der Gegenüberstellung mit Krieg, Gewalt und Tod, die stärker noch als der natürliche Tod die Fundamente religiös-gläubiger Zuversicht, das Selbst- und Weltverständnis in Frage stellen. Diese einschneidende Herausforderung gilt vor allem für den modernen Kriegsdienst, der seit Anfang des 19. Jahrhunderts als allgemeine Bürgerpflicht begriffen wird, so daß dem Gefallenengedächtnis und der Trauer seither das Gebot der öffentlich-politischen Rechtfertigung und Erklärung aufgebürdet sind. Hinzu kamen die Folgen moderner Kriegsführung und -technik mit zunehmend höheren, massenhaften Verlusten, die zugleich das Kriegstotengedächtnis veränderten. Es löste sich mehr und mehr aus den herkömmlichen Formen der Sepulkralkultur und unterlag einer systematischen, national-politischen Ideologisierung. In Grundzügen ist diese Entwicklungstendenz auf beinahe allen (kommunal)politischen Ebenen sichtbar, so auch in Freckenhorst in den wechselnden Inhalten und Formen der Gefallenenmäler.

Für die insgesamt »nur« 29 Freckenhorster, die ihr Leben in den napoleonischen Wirren 1808-11 in Spanien und 1812-18 in Rußland verloren, wurde noch keine Gedenktafel o. ä. bekannt — im Unterschied zu anderen Gemeinden in Westfalen. Auch für die 14 Gemeindemitglieder, die in den »Einigungskriegen« der Jahre 1864, 1866 und 1870/71 zu Tode kamen, wurde in den folgenden Jahren noch kein Denkmal errichtet. Das Totengedächtnis erfolgte ausschließlich in der regulären, kirchlichen Totenfeier. Dies änderte sich erst in Wilhelminischer Zeit (ca. 1888-1914/18), als die Wunden des preußischen »Kulturkampfes« gegen die katholische Kirche allmählich verheilten und eine generelle Intensivierung öffentlicher Kriegerdenkmalspropaganda im Deutschen Reich einsetzte.
 

1. Das Kriegerdenkmal als national-religiöse Sinnstiftung der Wilhelminischen Zeit

Im Januar 1889 beschloß eine Interessengemeinschaft Freckenhorster Bürger die Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen der Gemeinde aus den früheren Kriegen. Die Ausführung wurde dem Warendorfer Bildhauer Hunkemöller übertragen und aus Sammlungen finanziert. ...
(1 Seite)
 

2. Die Widmungserweiterung zum »Ehrenmal« im Weimarer Reich

Im Jahre 1920 erhielt das Kriegerdenkmal bereits eine Widmungserweiterung für die insgesamt 77 gefallenen Freckenhorster des Ersten Weltkrieges und der nachfolgenden Kriegswirren. Dazu hob der Warendorfer Bildhauer Hanewinkel das Denkmal auf eine abgestumpfte Sandstein-Pyramide ...
(1/2 Seite, 1 Abb.)
 

3. Kriegsgefallenengedächtnis im Zweiten Weltkrieg 
Marienfrömmigkeit als Zuflucht in nationalsozialistischer Zeit?

Die Postkarte führte den Blick entlang dem eigentlichen Gedächtnismal (rechts im Bild) auf eine durch Blumenschmuck und Felskulisse reich ausgestattete Nachbildung der Marienerscheinung von Lourdes. ...
(1 Seite, 1 Abb.)
 

4. »Kriegsopfergedenken« als Zeichen des Neubeginns und der »Mahnung« 
— im Schatten der Teilung Deutschlands und der Ost-West-Konfrontation

Nach der nationalsozialistischen Katastrophe und dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die einfache Fortführung herkömmlichen Kriegs- und Kriegergedenkens zutiefst fragwürdig geworden. In Freckenhorst wurde die alte Denkmalsanlage aufgegeben und 1951 durch ein neues Projekt ersetzt ...
(4 Seiten, 1 Abb.)
 

5. Zusammenfassung – Zur aktuellen Denkmalrezeption: Gefallenengedächtnis oder -ehrung?

Im Rückblick erweist sich der Zweite Weltkrieg als ein tiefgreifender Einschnitt des lokalen wie überregionalen Kriegs- und Geschichtsbewußtseins. Zwar wurde der Aufstellungsort – der Kirchplatz – als Ausdruck des zentralen öffentlichen Geltungsanspruchs beibehalten. Dagegen erfuhren die inhaltliche und äußere Konzeption eine grundlegende Änderung. Anstatt das alte Denkmal aus dem Jahre 1889 durch eine Widmungserweiterung auf den Zweiten Weltkrieg zu beziehen, wie es 1920 für den Ersten Weltkrieg geschehen war und auch andernorts nach 1945 praktiziert wurde, beschloß man eine völlige Neugestaltung. Sie gab den Intentionen des früheren »Ehrenmals« eine Absage, um dem zeitgenössischen Zweifel an Krieg, Gewalt und deren Rechtfertigung hervorzuheben.

Gleichwohl gab es Bestrebungen, solcher Skepsis entgegenzutreten. Schon die Einweihungsfeierlichkeiten 1951 zeigten, daß der »Mahn-« bzw. »Opfer«-Gedanke, der die Konzeption des neuen Projektes geprägt hatte, im öffentlich propagierten Verständnis der Weihe-Ansprachen eine veränderte Bedeutung erhalten hatte. Hinzu kamen erneute Versuche, den »Ehr«-Begriff weiterhin zu verwenden – seinen historischen, ideologischen Belastungen zum Trotz. So unterlag die Denkmalsrezeption einer intentionalen Unklarheit. Bis zur Gegenwart konkurrieren das konzeptionelle Anliegen des »Opfer«-Gedächtnisses und das Mißverständnis eines »schlichten Ehrenmals« miteinander.
 

21 Anmerkungen
 
 
 

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