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Arnold Vogt
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Stand: Nov. 2014




























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  Hochschulstudium 
  für museale Vermittlung und  Museumspädagogik - 
  1993 erstmals auch in Deutschland
  in: Peter Noelke (Hg.), Kölner Museums-Bulletin. 
  Berichte und Forschungen aus den Museen der Stadt Köln, 
  Sonderheft 2-3/1993, ISSN 0933-257x,
  S. 79-83
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Hochschulstudium für museale Vermittlung und Museumspädagogik – 
1993 erstmals auch in Deutschland

Mit der Eröffnung des neuen Diplom-Studienganges Museologie 1992 an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH) wurde eine jahrzehntealte Forderung nach museumsspezifischer, wissenschaftlich fundierter Berufsausbildung aufgegriffen. Damit gelang dem Freistaat Sachsen als erstem deutschen Bundesland ein berufs- und wissenschaftspolitischer Innovationsschub zugleich. Eingebunden in das wissenschafts- und museumstheoretische Konzept der Museologie, wie sie bereits in anderen europäischen Hochschulen und in internationalen Gremien bewährt und anerkannt ist, zielt der neue Studiengang auf ein integriertes Miteinander verschiedener Qualifikationen zur musealen Bestandsbildung, -erhaltung, -dokumentation, -vermittlung und -verwaltung.
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Mit dieser Maßgabe folgt die Ausbildung zugleich den Empfehlungen der Ständigen Konferenz der Kultusminister, die Bildungs- und Vermittlungsaufgabe gleichermaßen neben den anderen Museumsaufgaben des Sammelns, Konservierens und Forschens zu beachten. Konsequenterweise wurde das Lehrgebiet "Grundlagen der Objektvermittlung und Museumspädagogik" zum konstitutiven Bestandteil/Standard der Hochschulausbildung in Leipzig.

Dabei bilden berufspraktische Erfahrungsfelder neben den museologischtheoretischen Voraussetzungen ein weiteres Fundament. Gemeint sind die modernen Dienstleistungen musealer Vermittlung, wie sie in deutschen Städten, zum Beispiel Karlsruhe, Köln, Leipzig und Nürnberg, bereits seit Mitte der 60er Jahre geschaffen, später auch anderswo eingerichtet und erweitert worden sind. Anfangs noch von Schul- und Bildungsreform geprägt, wurden die Anforderungen einschlägiger Vermittlung schrittweise erweitert: von der noch überwiegend schulorientierten "Museumspädagogik", übergreifender Bildungsund Öffentlichkeitsarbeit über differenzierte Freizeitangebote und kooperative Maßnahmen mit anderen Bildungsträgern für Wissenschafts- und Kulturtransfer, über besondere Angebote für die Erwachsenenbildung und Gedenkstättenarbeit bis hin zu neuen Methoden und Techniken der Präsentation.

So gibt es heute sehr verschiedenartige, teils miteinander konkurrierende Initiativen, Aktivitäten und (institutionelle) Angebote musealer Vermittlung. Eine umfassende Reflexion bietet der museologische Ansatz sogenannter "Kommunikation" bzw. "Museopädagogik" (Zbynek Stransky) für Vermittlungsstrategien an Museen. Dabei erweist sich das Museum als Kreuzungspunkt in dem sehr komplexen Beziehungsgeflecht von Wissenschaft(sdisziplin)en und Öffentlichkeit (Museumsträger und -publikum), die ihrerseits wiederum in einer engen wechselseitigen Verbindung untereinander stehen. In der Folge sind wissenschaftliche Anfragen an die Museumsarbeit stets auch wesentlich geprägt vom gesellschaftlich-politischen Umfeld wie umgekehrt: die gesellschaftlich-politischen Anfragen und Erwartungen an Museen auf wissenschaftlich-museologische Antworten verwiesen. Dabei bilden die gegenständlichen Sammlungen unzweifelhaft das ausschlaggebende Fundament, an dem jede Museumsarbeit gemessen wird! Es bieten sich Chancen für einen Wissenschafts- und Kulturtransfer in dreifacher Hinsicht – interdisziplinär, interinstitutionell und interkulturell. Diese drei "Inters" bilden ein wesentliches Charakteristikum museologisch konzipierter, zugleich praktisch bewährter Vermittlung:
1) in der Wechselbeziehung verschiedener wissenschaftlicher Fachdisziplinen das heißt: Interdisziplinarität unter den objekt- und funktionsbezogenen Fachwissenschaften, zum Beispiel Kunstgeschichte oder Kultursoziologie;
2) im Zusammenwirken verschiedener Institutionen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Bildung, Presse und Öffentlichkeit – unter den Museums- und Ausstellungsträgern wie unter den Besuchern als Angehörigen dieser Institutionen, das heißt: Interinstitutionalität zum Beispiel zwischen Museen, Kirchen, Staats- oder Kommunalbehörden, Wirtschaftsunternehmen, Forschungseinrichtungen, Verbänden, Schulen usw.;
3) im Museumspublikum und dessen Resonanz unter den Angehörigen verschiedener soziokultureller Gruppen, das heißt: Interkulturalität/-sozialität zwischen verschiedenen Altersgruppen (Senioren, Berufstätige, Heranwach-
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sende), wechselnde Status-Gruppen (Nicht-/Akademiker), sonstige Besuchergruppen je nach nationaler, ethnischer, konfessioneller oder anderer Herkunft. Diese drei "Inters" ermöglichen eine sehr produktive und kreative Öffentlichkeit für Wissenschaft und Kultur – eine Art Billard-Effekt mit Impulsen, die das museumsspezifische Erkenntnis-, Erlebnis- und Bildungspotential auszeichnen. Skizzenhaft ergibt sich ein Beziehungsgefüge nach folgendem Überblick

In diesem Zusammenhang erfordert die Vermittlung in und durch Museen eine besondere kommunikative und konzeptionelle Kompetenz: einerseits als museumsspezifischer Vermittlungsanspruch an das Fachpersonal oder als besonderes Aufgabengebiet von speziell als "Museumspädagogen" engagierten Fachkräften, zuständig für besondere Besucherangebote. Idealerweise wirken die beteiligten Fachkräfte in allen Museumsbereichen zusammen – nach einer Art Corporate Identity für Museen – intern wie extern. Dazu gehören bekanntlich mehrere Elemente: 1) das Corporate Image, das sich in inhaltlichen und Ausstellungsprofilen von Museen und deren Teil-Öffentlichkeiten niederschlägt, Kontroversen und markante Meinungsprofile verursachen kann, 2) die Corporate Culture für die internen kommunikativen Strukturen der Museumsmitarbeiter aus Technik, Wissenschaft, Verwaltung untereinander, außerdem für die Außenwirkung, museale Dienstleistungen für das Publikum und die Öffentlichkeit, und schließlich 3) das Corporate Design, das den Museumsnamen, das Logo, das jeweilige museumseigene Ausstellungs-Design, die optisch professionelle Gestaltung von Veranstaltungen umfaßt. Erst dann, wenn diese Elemente von der Museumsleitung zu einer korporativen Gesamtkonzeption
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zusammengeführt werden, bilden sie ein sinnvolles Ganzes: eine Corporate Identity für das Museum. Sie verdeutlicht etwas, was mancherorts de facto schon seit langem verwirklicht ist, andernorts aber noch als beachtliches Defizit in der Zusammenarbeit und der zielgerichteten gemeinsamen Entfaltung aller beteiligten Kräfte, einschließlich der Museumspädagogen, zu verzeichnen ist.

Museale Vermittlungsstrategien im museologischen, professionellen Sinn knüpfen an verschiedene wissenschaftlich fundierte Erfahrungsfelder an, so zum Beispiel in der Kommunikations-, Erziehungswissenschaft (Öffentlichkeitsarbeit / Werbung. Bildungs- und Lerntheorie u.a.). in der Kultursoziologie (Evaluation, Besucherforschung), in der Wirtschaft (Marketing, Public Relations), in den klassischen Fachwissenschaften (deren Fachdidaktik), um nur einige zu nennen.

Diesem Anforderungsprofil entsprechen in Leipzig Lehrangebote nach folgender Übersicht:

Der Praxisbezug der Ausbildung wird insbesondere auch durch Praktika gewährleistet. Während des Diplom-Studienganges sind mehrere Praktika vorgeschrieben:
– ein Archivpraktikum (drei Wochen am Ende des 3. Semesters möglichst vor Ort),
– Allg. Museumspraktikum (u.a. zur musealen Vermittlung)
– Dokumentationspraktikum 
– Grabungspraktikum 
– Spezialpraktikum (vier Wochen im 7. Semester nach freier Wahl der Studenten)
– Fakult. Auslandspraktika (auf  bes. Wunsch v. Stud./nach Vereinb. d. Hochschule).

insgesamt
26 Wochen im 
5. Semester

Die spezifischen Aufgaben musealer Vermittlung sind in der Praktikumsausbildung nach Absprache der wissenschaftlichen Mentoren und Museumsdirektoren fest integriert, so vor allem beim Allgemeinen und beim Spezialpraktikum. Die leistungsorientierte vollständige und erfolgreiche Absolvierung der Praktika ist Voraussetzung für die Zulassung zu den museologischen Diplomprüfungen.

Unter den möglichen Praktikumsstätten in Deutschland empfiehlt sich nicht zuletzt der Hochschulort Leipzig. Vorteilhaft erweist sich die Vielfalt unterschiedlicher Museumsgattungen in Leipzig – mit Museen für Ägyptologie,
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Kunst (Gemälde und Plastik), Kunsthandwerk, Musikinstrumente, Naturkunde, Industrie- und Technikgeschichte, Buch und Schrift, Stadtgeschichte, Memorialmuseen und Gedenkstätten (Völkerschlacht-Denkmal, "Runde Ecke"). Das weitgespannte Spektrum der Museumsgattungen und ihrer Sammlungen bietet zweifellos außergewöhnliche Chancen einschlägiger, praxisorientierter Ausbildung vor Ort. Erwähnenswert ist dazu ebenso die Tradition musealer Vermittlung in Leipzig' mit bürgerlichen, öffentlich zugänglichen und sogar mit Katalog versehenen Sammlungen bereits im 18. Jahrhundert!

So konnte sich in Leipzig wie in kaum einer anderen deutschen Stadt über Jahrhunderte eine museums- und bildungsfreundliche Atmosphäre entwickeln, die der Museologen-Ausbildung heute zu Gute kommt. Außerdem bieten sich vielfältige Impulse für berufsspezifische Reflexion und Erfahrungsaustausch, das heißt auch für museologische Forschung, schließlich für Angebote einschlägiger Fort- und Weiterbildung. Erneut zeigt sich der besondere Charakter des Hochschulortes mit außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen für museologische Studien und deren Vermittlung.

Arnold Vogt
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, Leipzig, Institut für Museologie
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