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Arnold Vogt
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Stand: Dez. 2014




























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 Gedenkstätten im Wandel -
 Spiegel des öffentlichen Geschichtsbewußtseins 
 am Beispiel von Kriegerdenkmälern, Ehren- und Mahnmälern (Teil 1)
 in: liberal, Vierteljahreshefte der Friedrich-Naumann-Stiftung für Politik und Kultur,
 hg. für die Friedrich-Naumann-Stiftung von: Dr. Otto Graf Lambsdorff MdB, 
 Dr. Wolf-Dieter Zumpfort, Prof. Dr. Elke Mehnert, Dr. Günter Storch, 
 Rolf Berndt, Prof. Dr. Hubertus Müller-Groeling, Helmut Schäfer MdB,
 St. Augustin, Heft 4 / November 1995, 37. Jahrgang, ISSN 0459-1992
 S. 12 - 23
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Gedenkstätten im Wandel (Teil 1)
Spiegel des öffentlichen Geschichtsbewußtseins am Beispiel von Kriegerdenkmälern, Ehren- und Mahnmälern

Arnold Vogt. Prof. Dr. Arnold Vogt, lehrt an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig.

Wenn heute von Gedenkstätten die Rede ist, so können sehr unterschiedliche Objekte gemeint sein: Orte erinnerungswürdigen, historischen Geschehens, Memorialstätten bedeutender Persönlichkeiten, (technik-)historische Gebäude/-ensemble und Denkmäler, aber auch Parkanlagen, Landschaftsgärten, museale Einrichtungen oder sie werden insgesamt als Museen bezeichnet. Unter den verschiedenartigen »Gedenkstätten« verdienen Denkmäler, insbesondere Kriegerdenkmäler, Ehren- und Mahnmäler unser besonderes Interesse, sind sie doch in fast allen Städten und Gemeinden des mitteleuropäischen Raumes zu sehen. Im Unterschied zu anderen Kunstobjekten zeichnen sie sich in vierfacher Hinsicht aus:
1. durch ihren durchweg vorteilhaften publikumswirksamen Aufstellungsort,
2. durch die jeweilige Mitwirkung namhafter Repräsentanten aus Staat, Behörden, Kirchen, Verbänden oder aus anderen Einrichtungen, bei ihrer Planung, Konzipierung und Realisierung,
3. durch ihre Vielzahl, denn allein etwa im Gebiet der alten Bundesländer wird ihre Zahl auf etwa 100.000 geschätzt, eine Zahl, die eher unterschätzt als übertrieben wird,
4. durch ihre Symbolik mit ihren existentiellen, gesellschaftspolitischen Aussagen über Krieg und Frieden, über Individuum und Gesellschaft, Gewalt und Tod.

So gesehen, markieren sie Kernbereiche historischer Identität, denn es geht, kurz formuliert, um Leben und Tod, um Grundlagen individueller und nationalkollektiver Existenz, soweit sie bedroht waren oder sind. Dies betrifft im wesentlichen die großen Auseinandersetzungen und Katastrophen, bei denen zumeist massenhaft Tote und Verlustzahlen zu beklagen waren aus Krieg, Vertreibung, Verfolgung, Vernichtung und anderes mehr. Dieses Leid wurde, beziehungsweise wird, zumeist unter ausdrücklicher Berufung auf (vermeintlich) national-kollektive Interessen und Beweggründe propagiert und gerechtfertigt. Sie enthalten Aussagen sowohl im Rückblick auf das Vergangene, doch ebenso mit dem prospektiven Anspruch. Dies schließt politische und ideologische Zukunftserwartungen ein, die beim öffentlichen nationalen Totengedächtnis zur Sprache kommen. Dazu leisten Denkmäler sowie sinnverwandte Bedeutungsträger (Gedenkmünzen, Orden, Gedenkblätter, -feiern und so weiter) einen wichtigen Beitrag, unterstützt durch Predigten, Weiheansprachen, einschlägige gesetzliche Bestimmungen und ähnliches mehr.

Dabei empfehlen sich die Gedenkstätten wesentlich durch ihre künstlerisch-architektonische Form, ferner durch ihre Widmung, die sogenannte »Ehrung« von Kriegstoten sowie der »Opfer« gewalttätiger Handlungen.
 

Die Symbolik der Gedenkstätten -Methoden ihrer Betrachtung und Bewertung

Mit ihrem Symbolcharakter, der aufwendigen attraktiven Erscheinung inmitten bevorzugter Landschafts- und Stadtbildgestaltung spiegeln sie das öffentlich vorherrschende Geschichtsbewußtsein. ...
(2 Seiten, 2 Abb.)
 

Kriegerdenkmäler — von den Befreiungskriegen bis zum Ersten Weltkrieg

Was in Frankfurt 1793 zunächst nur in einem modellhaften Denkmal zum Ausdruck kam, erfuhr in Preußen ein Jahrzehnt später eine Generalisierung. ...
(3 Seiten, 4 Abb.)
 

Ehrenmäler — vom Ersten zum Zweiten Wettkrieg

Der Erste Weltkrieg war ein krisenhafter Höhepunkt des preußisch-deutschen Nationalstaats in seiner christlich geprägten Rechtfertigung »von Gottes Gnaden«, zugleich eine Endphase in der monarchisch-legitimierten Privilegierung der christlichen Kirchen – in Öffentlichkeit, in Militär- und Schulwesen. Diese existentielle Herausforderung spiegelte sich wider in der Ordenserneuerung des Eisernen Kreuzes, ...
(4 Seiten, 6 Abb.)

... Das öffentliche Gedächtnis erlangte einen zunehmend militärideologischen Charakter unter dem traditionellen Begriff der nationalen »Kriegerehrung«. Anstelle der herkömmlichen Begriffe der Kriegerdenkmäler und -friedhöfe traten nunmehr »Ehrenmäler« und »Ehrenfriedhöfe«. Anstatt der Nationaldenkmäler gab es Pläne für »Reichsehrenmäler«. Gedenkbücher, die vorwiegend Kriegergräber oder Denkmäler zeigten, erschienen somit als »Ehrenbücher«. Das generelle Merkmal dieser neuartigen »Kriegerehrung« war die sogenannte »schlichte« Gestaltung unter Verzicht auf Prunk, auf Pracht, und in diesem Wandel schlug sich nach zeitgenössischem Empfinden auch der Respekt vor dem Kriegselend, der »feldgrauen« Kriegsrealität und der Uniformität des Militärs nieder.

Stifter der Ehrenmäler, Ehrenfriedhöfe beziehungsweise Gedenkstätten waren in der Regel Kommunen, Städte, Kirchen, Kultusgemeinden, Behörden, Kriegervereine und Verbände, auch Firmen. Dazu wurde 1919 ein Spitzenverband nach dem Vorbild der freien Kriegs- beziehungsweise Wohlfahrtsfürsorge gegründet: der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge – mit Unterstützung namhafter Vertreter aus Militär, Kirchen, Behörden, jüdischen Gemeinden, aus Politik, Öffentlichkeit und Verbänden. Der Volksbund propagierte nachhaltig das militär- und nationalideologische Konzept der »Kriegerehrung«. Eine Vergegenwärtigung des Kriegserlebnisses war das Ziel. Die Gräberfelder, die dazu entlang der ehemaligen Kriegsfronten angelegt und gepflegt wurden, lösten eine nachhaltige Konfrontation mit den existentiellen Fragen von Krieg, Gewalt und Tod, sowie mit deren nationaler Rechtfertigung aus. So erhielten die Gräber 1922 wiederum, wie zuvor auch schon im deutsch-französischen Krieg, das reichsgesetzliche Privileg »dauernden Ruherechts«. Auf diese Weise erlangte die Sonderstellung des Militärs eine neue Dimension: denn keine andere Todesart, kein anderer Beruf wurden mit annähernd vergleichbarer öffentlicher Aufmerksamkeit »geehrt« als der Soldatenberuf beziehungsweise -tod. Anders als in bürgerlich zivilen Friedhöfen, wo die Gräber nur fünf bis dreißig Jahre unter Schutz standen, sollten Gefallenen-Gräber nun auf Dauer erhalten bleiben, um so den absoluten zeitlosen Geltungsanspruch des Gefallenentodes und der damit propagierten Wertvorstellungen zu gewährleisten. Andererseits meldeten sich auch ideologie- und kriegskritische Stimmen zu Wort, unter anderem aus der Sozialdemokratie. Anstatt Denkmals-»Ehren« forderten sie Initiativen für die »Kriegskrüppelfürsorge«, deren Regelungen sich noch jahrelang verzögerten. Es gab zudem manche kriegs-kritische Denkmalserrichtungen, zum Beispiel die »Ehrenmäler« von Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, die Bildkritik des Kruzifix von George Grosz oder das »Opfermal« von Benno Elkan. Mit dem programmatischen Titel »Heldenklage« wurde es 1920 in Frankfurt im modernen kubistischen Stil errichtet. In Titel, Stil und dem ungewöhnlichen Motiv der schmerzerfüllten kauernden Frauenfigur, einer Art Germania, schuf Elkan – frei von Revanchegedanken eine kühne Alternative zur vorherrschenden Szenerie. Auch durch die Widmung »Den Opfern« (Inschrift) grenzte er sich von den herkömmlichen Vorstellungen ab.

Wer nach den Denkmalsstiftungen jüdischer Gemeinden fragt, erkennt wiederum Parallelen zu christlichen Kirchengemeinden. Zumeist wurden die religiös-ideologischen Intentionen des früheren Kriegseinsatzes reklamiert, das heißt, die jüdischen Denkmäler demonstrierten nicht selten das harmonische Miteinander von David-Stern und Eisernem Kreuz, so zum Beispiel auf einem Gedenkstein der jüdischen Gemeinde in Recklinghausen. Er belegte die Identität des jüdisch-deutschen Kriegsansatzes in zweifacher Hinsicht: einerseits der Kampf um die jüdische Gleichberechtigung mit den »christlichen« Soldaten; andererseits der jüdische Anteil an den national-deutschen Kriegsanstrengungen. Dies demonstrierte eine unzweifelhaft deutsche Identität, die mehrheitlich den jüdischen Denkmälern dieser Zeit als rechtfertigender Trost zugrunde lag. Trotz solcher Anstrengungen wiederholte sich die althergebrachte innerdeutsche Problematik der antisemitischen Kräfte wieder durch öffentliche ehrenrührige Diffamierungen, wieder unter dem Schweigen der offiziellen Staats- und Militärbehörden. 

Teil 2 des Beitrages folgt in Heft 1/96
 
 
 

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