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Arnold Vogt
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Stand: Nov. 2014




























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 Editorial  und 
 Identität und Musealisierung. Der Arbeitskreis 
 Museumspädagogik Ostdeutschland e.V.
 in: Standbein Spielbein. Museumspädagogik aktuell, 
 hg. vom Bundesverband Museumspädagogik e.V.,
 Nr. 49, Dezember 1997, ISSN 0936-6644, 
 S. 4 und 9-11, 
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Editorial

"Museumspädagogik zwischen Ost und West", so lautet das Thema dieser Zeitschrift, das unter verschiedenen Vorschlägen den stärksten Zuspruch erfahren hat und so vom erweiterten Vorstand des Arbeitskreises Museumspädagogik Ostdeutschland (AKMPO) in Berlin im März 1997 beschlossen wurde. Grenzerfahrungen, Kennenlernen und wechselseitige Besuche standen im Vordergrund bei Ost / Westberliner bzw. ost / westdeutschen Museumspädagogen. Sie konnten teils schon an Kontakte vor 1990 anknüpfen, zum Beispiel in Berlin seit der 750 Jahrfeier der Stadt im Jahre 1987. Gedanken und Erfahrungsaustausch blieb ein wesentliches Anliegen späterer Projekte bis hin zu Veranstaltungen des AKMPO, der seine Gründung 1991 wesentlich der Vereinigung der deutschen Nachkriegsstaaten verdankt (vgl. Beiträge von Rita Klages und Arnold Vogt). Das Jahr Sieben der deutschen Einheit ist somit auch das siebte Jahr des AKMPO.

Was anfangs noch spontanen Charakter hatte, entwickelte sich sehr bald differenzierter, zum Beispiel die Fort -, Ausbildungs- und Professionalisierungsdebatten in Verbänden, Hochschulen und Universitäten, deren (Teil-) Ergebnisse bereits andernorts publiziert worden sind. Auch die starke Nachfrage an den deutsch - deutschen Austausch und Qualifizierungsprogrammen (QUAM-Projekt) belegt die Aktualität deutsch - deutscher "Grenzerfahrungen" bis zur Gegenwart. Über diesen Rahmen hinaus sind Perspektiven zu internationaler und interkultureller Orientierung wichtig in einer Region, die zunehmend auch zum Tourismus-Magnet, Lebensort oder sogar zur "Heimat" nichtdeutscher Mitbürger geworden ist. Chancen und Grenzen museumspädagogischer Arbeit, die aus dieser Situation erwachsen, schildert Rita Klages beispielhaft am soziokulturellen Projekt "Haus in Europa".

Im Zuge der deutsch - deutschen Vereinigung haben Grundsatzfragen über die Museumspädagogik neues Gewicht erfahren. Steht sie im Dienst individueller "Selbstbildung" (vgl. Beitrag von Michael Parmentier) oder befindet sie sich "zwischen allen Stühlen" (Analyse von Nico Halbertsma, sowie auch weitere "Vermittlungskonzepte" der jüngsten Tagung des AKMPO vom September 1997 in Leipzig, in: Informationen des Sächsischen Museumsbundes Nr. 15 / 1997)?

In solchem Kontext lassen sich ebenso Berichte und Empfehlungen lesen zu Besucherorientierung (Bernd Lindner) und gedruckten Kinderführern (vgl. Plädoyer von Eberhard Müske für den "Eigensinn" und von Gabriele Schreier über einschlägige kind- und jugendgemäße Projekte aus Thüringen). Weitere jugendorientierte Berichte sind hier zu ergänzen (Beiträge von Carsta Delitzscher und Karin Johannsen, vgl. auch "Vermittlungskonzepte" der Leipziger Tagung des AKMPO vom September 1997 in: Informationen des Sächsischen Museumsbundes Nr. 15/ 1997).

In mehreren Berichten kommen Einfluß und aktuelle Bedeutung der DDR-Geschichte zum Ausdruck, besonders in den Beiträgen von Wolf Karge und Volkhard Knigge. Vor allem die Neubetrachtung von Fritz Cremers Buchenwald-Plastik in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald und ihrer Konzeption hat eine nachhaltige Diskussion innerhalb des AKMPO ausgelöst.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen, sind die Beiträge dieser Zeitschrift bereits zu Fachtagungen des AKMPO vorgetragen worden. Obwohl es sich um sehr heterogene, "nur" persönliche und engagierte Autoren-Meinungen handelt, haben sie doch zu heftigen Diskussionen innerhalb des Arbeitskreises geführt. Mehrfach wurde nach ihren Manuskripten gefragt. Offensichtlich haben diese Beiträge den Nerv getroffen, der wieder neu die besondere Situation der Museumspädagogik "zwischen Ost und West" kennzeichnet. Aus diesem Grunde wurden sie für "Standbein Spielbein" ausgewählt und dazu wünschen wir allen Leserinnen und Lesern eine anregende, gute Lektüre.

Arnold Vogt (Leipzig) im Auftrag des Redaktionsteams
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Identität und Musealisierung. Der Arbeitskreis Museumspädagogik Ostdeutschland e.V. (AKMPO) 1

Arnold Vogt

Unter dem Thema „Identität und Musealisierung. Gedächtnis und Erinnerung..." fand 1994 die Fachtagung und Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Museumspädagogik in Berlin statt. Höhepunkt einer Veranstaltungsserie, die zum deutsch-deutschen Kennenlernen beitragen sollte. Wer will, mag in der Suche nach Identität und nach den Grundlagen professioneller Museumsarbeit schlechthin auch ein Leitmotiv museumspädagogischer Verbandsarbeit in den 90er Jahren erkennen. Dies gilt sicher in besonderem Maß für den Arbeitskreis Museumspädagogik Ostdeutschland e.V. (AKMPO), der seine Gründung wesentlich auch der Vereinigung der deutschen Teilstaaten verdankt. Das Jahr Sieben der Deutschen Einheit ist zugleich das siebte Jahr des Arbeitskreises Museumspädagogik Ostdeutschland. - Anlaß, zurückzuschauen und (sich) an einige Ereignisse zu erinnern.

Es war eine völlig neue Situation, mit der die Öffnung der deutsch-deutschen Grenzen im November 1989 die Museums-Szenerie, nicht zuletzt auch die Museumspädagogen konfrontierte. Auf beiden Seiten des bisher fast undurchdringlichen „Eisernen Vorhangs" gab es existentielle Fragen zu den Grundlagen von Gesellschaft und (Museums-) Öffentlichkeit mit wechselseitigen Besuchen, einer dichten Folge von Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen.2 Schon wenige Wochen nach der historischen Grenzöffnung bildeten sich neue regionale Museumsverbände - am 29.3.1990 in Westsachsen, am 14.5.1900 in Mecklenburg-Vorpommern, am 18.6.1990 in Sachsen (seit 14.1.1991 mit dem Westsächsischen Museumsverband), am 30.7. 1990 in Brandenburg und am 4.8.1990 in Thüringen.3 Seit Anfang 1990 trafen sich die Museumspädagogen aus beiden Teilen Berlins zum „Runden Tisch" im monatlichen Turnus. „Die monatlichen Treffen, mit jeweils 10 bis 20 Teilnehmern, trugen im ersten Jahr hauptsächlich zum Kennenlernen der verschiedenen Einrichtungen (Museen, Pädagogische Abteilungen) bei. Sie fanden jeweils an anderem Ort statt".4

Die neuen Einrichtungen und Verbände waren Teil des übergreifenden Vereinigungsprozesses der beiden deutschen Teilstaaten, mit dessen Folgen sich auch die Fachsektionen und Arbeitsgruppen des DDR-"Rates für Museumswesen" befaßten. So wurde in der offiziellen „Arbeitsgruppe Museumspädagogik" bereits im Januar 1990 über die Neu-"Bildung eines Verbandes der Museumsmitarbeiter" beraten.5 Vom 6. bis 8.10.1990 lud die Arbeitsgruppe nach Berlin zur „VII. Zentralen Weiterbildung ..."6 ein unter dem aufschlußreichen Thema: „Erfahrungen der Museumspädagogik - für die Perspektive der Museen. Die Funktion der Museen in der Gesellschaft. Was will ... Was kann Museumspädagogik?". Zum abschließenden Programmpunkt gehörte auch die „Neubildung der AG Museumspädagogik". In engem Austausch mit den Westberliner Kollegen reifte schließlich der Entschluß zur Gründung eines eigenständigen Verbandes, der im Gründungsentwurf noch als „Arbeitskreis Museumspädagogik Elbe/Oder e.V." firmierte.

Am 26.1.1991 fand die Gründungsversammlung des AKMPO im Kultursaal des Pergamon-Museums auf der Berliner Museumsinsel statt, an der 27 Museumspädagogen aus beiden Teilen Berlins und aus den neuen Bundesländern teilnahmen7. Für die Neugründung gab es Vorbilder - in Satzung, Aufgabenstruktur und den verbandsoffiziellen Bezeichnungen. Dabei folgte die Neugründung dem Muster der gleichnamigen „Arbeitskreise" Norddeutschland (gegründet 1983), Rheinland und Westfalen (gegründet 1985) und Baden-Württemberg (gegründet 1990). Diese Verbände hatten durchweg bestimmte gemeinsame Merkmale: Vereinsstatus, Gemeinnützigkeit, Selbstverständnis als „Arbeitskreis", demokratische Organisationsstrukturen, insbesondere die generelle Öffnung für interessierte Museumspädagogen (unter mehrfach betonter, ausdrücklicher Abgrenzung von der Exklusivität der früheren „Arbeitsgruppe Museumspädagogik"), großräumiger überregionaler Zuschnitt.

Ähnlich dem „Arbeitskreis Museumspädagogik Norddeutschland e.V." oder dem entsprechenden Verband für Rheinland und Westfalen sollte die Mitgliedschaft des ostdeutschen Pendants aus mehreren Bundesländern bzw. Freien Städten stammen. (Dabei mochte „Ostdeutschland" für manche Ohren noch ungewohnt sein, die unter dieser Bezeichnung eher noch die historischen, ehemals „ostdeutschen" Landesteile jenseits von Oder und Neiße verstanden anstatt der neuen Bundesländer.) Die Gründung des ostdeutschen „Arbeitskreises" fügte sich ein in die Gesamtentwicklung museumspädagogischer Verbände und begünstigte die Bildung eines Dachverbandes, des Bundesverbandes Museumspädagogik e.V., am 15.6.1991 in Frankfurt/Main.

Aufwendige Veranstaltungsaktivitäten standen zunächst noch ganz im Zeichen des Neuen und des Erfahrungsaustausches, zum Beispiel die Weimarer Tagung über „Öffnungszeiten - ein Erfahrungsaustausch ... in Ost und West"8, nicht zuletzt auch die Berliner Bundes-Mitgliederversammlung und Fachtagung „Identität und Musealisierung". Bei aller Euphorie und Begeisterung über den deutsch-deutschen Neubeginn gab es aber ebenso herbe Enttäuschungen. Im ostdeutschen Arbeitskreis wurde in Berlin schon am 19. und 20.10.1991 „auf der ersten Jahresversammlung ... deutlich, welch ein untergeordnetes, teilweise stark vernachlässigtes Dasein die Museumspädagogik fristet. So dienten die Gespräche auch der Selbstfindung: Welche Stellung kann, ja muß der Museumspädagoge im Getriebe der Ein-
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richtungen beanspruchen und behaupten. Hinzu kommt, daß die Museumspädagogen häufig eine mehr oder minder artfremde Ausbildung aufzuweisen haben..."9 Eine standardisierte, museumsspezifische Ausbildung gab es in der alten Bundesrepublik weder für Museumspädagogen noch für andere (wissenschaftliche) Museumsmitarbeiter, stattdessen beiderseits „nur" eine fachbezogene (universitäre) Qualifikation, die später über Projekterfahrungen, Volontariat oder berufliche Praxis mit den museumsrelevanten Anforderungen zu verknüpfen war. Museumspädagogen erhielten allerdings mancherorts ein geringeres Gehalt als ihre „wissenschaftlichen" Kollegen. Dazu forderte Werner Hilgers vom Vorstand des Deutschen Museumsbundes schon bei der erwähnten Mitgliederversammlung des AKMPO die Gleichstellung von (wissenschaftlich qualifizierten) Museumspädagogen und Fachwissenschaftlern: „Wider BAT und bess'res Wissen!"10

Die Beratung in arbeitsrechtlichen Fragen, in inhaltlichen und berufspraktischen Problemen wurde über Jahre hinweg als ständiges Tagungsthema von der Verbandsmitgliedschaft gefordert. Existentielle Sorgen über Kürzungen und den drohenden Stellenabbau erwiesen sich als fester Bestandteil „aktueller Profile"11 - in Anfragen aus der Mitgliedschaft und demzufolge auch für die Vorstandsarbeit. Dies bedeutete zugleich ein Abschiednehmen von bisher vertrauter Berufspraxis und Sicherheit; denn in der DDR waren Museumspädagogen mit den „wissenschaftlichen" Kollegen gleichgestellt, zudem de facto überwiegend für Führungen zuständig. Anders in der (alten) Bundesrepublik, wo Museumspädagogen konzeptionelle Aufgaben in unterschiedlichen ausstellungsergänzenden Bereichen wahrnahmen (Veranstaltungen, Publikationen, Kinder- und Schüleraktionen, mancherorts auch Mitwirkung bzw. Verantwortung für Ausstellungen). Dabei galten bloße Museumsführungen als eher vor- oder nachwissenschaftliche Tätigkeit, zu der „nur" ehrenamtliche oder andere (Teilzeit-) Kräfte anzuleiten waren.

Als weitere empfindliche Belastung der Diskussion erwies sich der Mangel eines bereits langetablierten „Berufsbildes" nebst eines einschlägigen, unumstrittenen Ausbildungsprogramms für Museumsberufe.12 Nachteilig war das weitverbreitete Mißverständnis, ein „Berufsbild" sei bereits durch einen einfachen Forderungskatalog geschaffen. Doch zum „Berufsbild", das heißt auch: zu professioneller Museumsarbeit gehört mehr! Dazu sind sechs Voraussetzungen langfristig anzustreben:

• Die Begründung der museumsberuflichen Arbeit aus einer museumsspezifischen, wissenschaftlichen Fachdisziplin,
• die wissenschaftlich gesicherte Anleitung in die Berufspraxis durch spezifische Ausbildungs- und Qualifikationsregeln,
• spezifische berufsethische Regeln und einen unumstrittenen Aufgabenkatalog der Museumspädagogik im Kollegenkreis,
• das beim Gesetzgeber und in der Öffentlichkeit unumstrittene Bewußtsein öffentlicher, gesellschaftlicher Aufgaben und Verantwortung, die eine gewisse Eigenständigkeit oder Autonomie für den Beruf (-sstand) sichern,
• eine effektive Präsenz durch eigene Fach- und Berufsverbände und
• die öffentliche Wertschätzung und Anerkennung durch angemessene finanzielle und arbeitsrechtliche Bedingungen.13

Solange diese sechs Voraussetzungen nur in Ansätzen oder Teilen erfüllt sind, kann von einem professionellen „Berufsbild" der Museumspädagogik (bzw. sonstiger Museumsarbeit) nicht die Rede sein und die arbeitsrechtliche Probleme werden fortbestehen. Hier sind außer den Verbänden weiterhin auch die Museen und die Ausbildungseinrichtungen gefordert.

Fachverbände wie der AKMPO konnten und können die benannten Probleme nicht allein lösen, wohl aber ein Forum für den einschlägigen Gedanken- und Erfahrungsaustausch bieten. Darüber hinaus griffen die Tagungen des AKMPO praxisnahe Schwerpunkt-Themen auf, zum Beispiel DDR-Zeitgeschichte und historische Bildung in Museen (1993 in Wittstock, 1994 in Berlin, 1995 in Jena, 1997 in Leipzig), Professionalisierung in beruflicher Qualifizierung (Fortbildung) und Beratung (1994 in Leipzig, 1995 in Jena und Dessau), sammlungsorientierte Vermittlungskonzepte (1994 in Leipzig, in Berlin und in Kloster Veßra, 1995 in Görlitz, 1997 in Leipzig), Kultur-Tourismus (1992 in Potsdam, 1995 in Görlitz, 1997 in Leipzig), Museumspädagogik mit bzw. für Behinderten (1995 in Dessau), gedruckte Museumsführer für Kinder (1996 in Halle, 1997 in Leipzig), Historische Spiele (1996 in Neubrandenburg), Schul- und Museumspädagogik (1994 in Göldenitz, 1996 in Halle, 1997 in Kamenz). Auch das deutsch-deutsche Austausch- und Qualifizierungsprogramm im Rahmen des QUAM-Projekts ist hier zu erwähnen, das unter der Regie des Bundesverbandes Museumspädagogik und der Bundesakademie für kulturelle Fortbildung Wolfenbüttel durchgeführt wird. Außer Themenschwerpunkten, die über mehrere Tagungen verfolgt wurden, hatte das inhaltliche Angebot aber eher einen Mischcharakter. Dies war der Mitgliederstruktur des Arbeitskreises geschuldet - mit Mitgliedern aus dem gesamten Spektrum unterschiedlicher Museumstypen und -gattungen, insbesondere auch aus den kleineren Museen.

Die Teilnehmerresonanz14 hat bisher eine erfreuliche Nachfrage an den Tagungen erwiesen, wiederholt mit ca. 60 Teilnehmern, die Berliner Museumspädagogentagung 1994 - zusammen mit dem Bundesverband Museumspädagogik - sogar mit 160 Teilnehmern. Mit dem Thema „Identität und Musealisierung. Gedächtnis und Erinnerung..."15. griff die Berliner Tagung elementare Reizworte und Kernbegriffe der einschlägigen Nachkriegsdebatten über das offizielle Selbstverständnis in Deutschland und die Aufgabe der Museen auf. Die Sprengkraft dieses Themas hatte sich seit Jahrzehnten in öffentlichen, nahezu periodischen Kontroversen über historische nationale Identität(en) in Deutschland offenbart, überdeutlich etwa Ende der 80er Jahre beim „Historikerstreit", in jüngster Zeit noch beim Streit über die „Wehrmachtsausstellung" in München. So gesehen war die Berliner Tagung kein Zufall. Sie spiegelte akute Fragen zu Geschichtsbewußtsein, persönlicher und sozialer Identität auch in der musealen Bildung. Darüber hinaus bot das aufwendige Tagungsprogramm mit Vorträgen, Exkursionen und Workshops an nahezu 30 Museen bzw. Gedenkstätten eine weitere Station deutsch-deutscher Begegnung. Im diesem Sinne hatte der Tagungsort seine besondere Bedeutung. Denn Berlin galt nicht zuletzt unter Museumspädagogen als der hervorragende Brennpunkt deutsch-deutscher Zusammenarbeit Auf dieser Stadt ruhten besondere Erwartungen für die verbandsinterne Arbeit.16 Ein wichtiges Anliegen für die weitere Arbeit im Arbeitskreis blieb die Professionalisierung in museumspraktischen Aufgaben. Dazu arbeitet der AKMPO zusammen mit Museen, Hochschulen u. anderen Bildungsträgern.
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Schwerpunkte bleiben Beratung, Begutachtung, regelmäßige Fachtagungen zu Erfahrungsaustausch und beruflicher Qualifizierung von Museumspädagogen und anderen Multiplikatoren musealer Bildung.

Prof. Dr. Arnold Vogt, Professor für Museologie (Schwerpunkt Museumspädagogik) an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig / Fachbereich Buch und Museum / Studiengang Museologie, Käthe Kollwitz Straße 70, 04109 Leipzig
 


1 Der Autor dankt Dr. Manfred Tunn (Berlin) für die freundliche Bereitstellung von Verbands- und Vorstandsakten und für ausführliche Gespräche über die Verbandsentstehung.
2 Vgl. die Dokumentation der Hannoverschen Tagung vom 22. auf 25.11.1989 als Beispiel für viele: Udo Liebelt (Hg.), Museum der Sinne. Bedeutung und Didaktik des originalen Objekts im Museum, Hannover 1990
3 R. Funk, Neue Bundesländer - neue regionale Museumsverbände, in: Museumskunde: Band 65 / Heft 1, Berlin 1991, S. 3-9
4 Jürgen Mrosek, Der „Runde Tisch" in Berlin, in: Standbein Spielbein, Museumspädagogik aktuell (Bonn): Oktober 1991, S. 8; vgl. auch Schwerpunktheft „Grenzen" von: Standbein, Spielbein. Museumspädagogik aktuell (Bonn), Mai 1990
5 Protokoll einer Beratung von Mitgliedern der AG Museumspädagogik im Rat für Museumswesen vom 18.1.1990 im Museum für Deutsche Geschichte (Berlin)
6 Einladung des Rates für Museumswesen (Arbeitsgruppe Museumspädagogik) vom Mai 1990 zur „VII. Zentralen Weiterbildung für Museumspädagogen und Kolleginnen und Kollegen, die im Museum arbeiten und an dieser Weiterbildung interessiert sind" vom 6.-8.10.1990 nach Berlin.
Die Arbeitsgruppe war das zentrale Forum der offiziell vorherrschenden Museumspädagogik in der DDR, gegründet im Januar 1963 als „Arbeitsgruppe Schule und Museum" beim Wissenschaftlichen Rat für Volksbildung, seit 1971 als „Arbeitsgruppe Museumspädagogik" im Rat für Museumswesen (Berlin).
7 Der AKMPO wurde am 26.1.1991 in Berlin gegründet, seit 3.7.1991 als Eingetragener Verein (Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Nr. 11084 Nz). 
8 Arbeitskreise Museumspädagogik Norddeutschland e.V., Rheinland und Westfalen e.V., Baden-Württemberg e.V. Ostdeutschland e.V. (Hg.), Standbein Spielbein, Museumspädagogik aktuell (Bonn): Ausgabe 30/31 1991 mit ausführlichem Bericht über die Tagung „Öffnungszeiten - ein Erfahrungsaustausch von Museumspädagog/inn/en in Ost und West" in Weimar vom 28.2. bis 3.3.1991, veranstaltet von den Arbeitskreisen Museumspädagogik, der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar und der Arbeitsgemeinschaft der deutschsprechenden Mitglieder des CECA im ICOM.
Im Rahmen solcher Veranstaltungen zur deutschdeutschen Begegnung bildete die Berliner Tagung über „Identität und Musealisierung..." vom 19. bis 23.10.1994 einen vorläufigen Schlußpunkt. Sie wurde vom Bundesverband Museumspädagogik und dem AKMPO durchgeführt.
9 Edeltraut Dettmar, Jahreshauptversammlung des Arbeitskreises Museumspädagogik Ostdeutschland e.V. in Berlin, in: Standbein Spielbein, Museumspädagogik aktuell: Ausgabe 32 /Januar 1992; - vgl. Ekkehard Nuissl, Ulrich Paatsch und Christa Schulze, Besucher im Museum - ratlos? Problemstudie zur pädagogischen Arbeit in Museen und Kunstvereinen, Berichte des Arbeitskreis für empirische Bildungsforschung e.V.: 20, Heidelberg 1987, S. 17 (zum Selbstverständnis vieler Museumspädagogen primär als „Fachwissenschaftler" anstatt auch als Kommunikations- und Erziehungswissenschaftler.
10 Rechenschaftsbericht vom Vorstand des AKMPO vom 30.10.1992 (über die Mitgliederversammlung vom 19. und 20.10.1991 mit dem Vortrag von W. Hilgers); vgl. Werner Hilgers, Wider BAT und bess'res Wissen, in Museumskunde, Band 56 / Heft 3, Berlin 1991, S. 145 ff; vgl. auch: Annette Noschka-Roos, Besucherforschung und Didaktik, ein museumspädagogisches Plädoyer, Berliner Schriften zur Museumskunde: Band 11, Opladen 1994, S. 33-36
11 Unter „aktuellen Profilen ostdeutscher Museumspädagogik" fanden mehrere Fachtagungen des AKMPO statt - Leipzig 1994, Jena und Dessau 1995. Zu den Vorträgen dieser Tagungen wurden arbeitsrechtliche Fragen kontinuierlich aus der Mitgliedschaft gefordert und beraten, dabei unter mehrfacher Mitwirkung von Jürg Schrödl (Stadtverwaltung Leipzig)
12 Manfred Tunn, Ausbildung für Museumsberufe in den neuen Bundesländern, in: Museumskunde, Band 56 / Heft 3, Berlin 1991, S. 162-137; Arnold Vogt, Professionelle Museumsarbeit / -pädagogik ohne „Berufsbild" ? In: Informationen des Sächsischen Museumsbundes, Heft 8/Oktober 1994, S. 54-61; -vgl. auch museumsrelevante Curricula ostdeutscher Fachhochschulen und Universitäten.
13 Hannes Siegrist (Hg.), Bürgerliche Berufe, Göttingen 1988; Talcott Parsons, Die akademischen Berufe und die Sozialstruktur, in: Dietrich Rüschemeier (Hg.), Beiträge zur soziologischen Theorie, Neuwied, Berlin 1964; vgl. ICOM-Statuts / Code of Professional Ethics, Paris 1990
14 Die Teilnahme an den Veranstaltungen war nicht auf Mitglieder beschränkt. Angefangen mit 27 Teilnehmern bei der Gründungsversammlung, erfuhren die Fachtagungen eine erfreuliche Resonanz mit bis zu 70 Teilnehmern in Leipzig 1994 und in Halle 1996, bei den Bundes-Mitgliederversammlungen, die in Potsdam (1992) und Berlin (1994) zusammen mit dem AKMPO durchgeführt wurden, sogar mit 160 Teilnehmern.
15 Vordergründiger Anlaß der Tagung „Identität und Musealisierung - Gedächtnis und Erinnerung im Museum und im öffentlichen Raum" vom 19. bis 23. Oktober 1994 in Berlin im Heimatmuseum Neukölln bzw. Saalbau Neukölln war die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Museumspädagogik, die vom Arbeitskreis Museumspädagogik Ostdeutschland vorbereitet wurde. Federführend: Angelika Wuszow und Wolf von Wolzogen vom Bundesverband Museumspädagogik, Rita Klages, Michael Matthes und Jürgen Mrosek vom Arbeitskreis Museumspädagogik Ostdeutschland, Udo Gösswald vom Heimatmuseum Neukölln. Vgl. auch: Nikolaus Bernau, Geschichte - ein Haufen bunter Knete? Identität und Musealisierung: eine museumspädagogische Tagung im Saalbau Neukölln, in: Tagesspiegel (Berlin) Nr. 15072 vom 25.10.1994
16 Manfred Tunn, Arbeitskreis Museumspädagogik Ostdeutschland, in: Durchsicht - Forum für Museumspädagogik in Berlin und Brandenburg Nr. 1/August 1993, S. 47: „Diese Stadt ... ist das einzige Bundesland, in dem Deutsche aus Ost und West unmittelbar zusammenleben".
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