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Stand: Nov. 2014




























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 Museen zwischen
 Forschung, Bildung, Tourismus und Kommerz -
 Plädoyer für eine Dialogkultur
 in: Informationen des Sächsischen Museumsbundes e.V.,
 Hg.: Sächsischer Museumsbund e.V., Dresden,
 Nr. 19, Dresden, Dez. 1999, ISSN 0949-393X
 S. 3 - 16
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Museen zwischen Forschung, Bildung, Tourismus und Kommerz -
Plädoyer für eine Dialogkultur

von Arnold Vogt, Leipzig

(Einleitung:)
Dieser Beitrag ist auf Anregung des Sächsischen Museumsbundes entstanden. Erwünscht war ein einführender Bericht zur aktuellen Diskussion über "Museen und Tourismus, Gemeinsamkeiten und Gegensätze". Dazu sollen zunächst Grundzüge der aktuellen Debatten und das übergreifende Beziehungsgefüge dargeboten werden: "Museen zwischen Forschung, Bildung, Tourismus und Kommerz", um anschließend einige Aspekte der Praxis aufzugreifen. Dies betrifft die Museen einerseits in ihrer Bedeutung als öffentliche, quellenbewahrende Institutionen mit ihrer klassischen Verantwortung für die authentischen Sammlungen, das kulturelle Erbe - und andererseits die teils kommerziellen Anforderungen des Tourismus. Es geht also wesentlich um ein Spannungsfeld von Partnern mit teils gemeinsamen, teils aber auch divergierenden, bzw. unvereinbaren Interessen. Aus diesem Grunde sollen Positionen beider Seiten bedacht werden, außerdem einige aufschlußreiche Fragen aus der einschlägigen Diskussion aufgegriffen werden, ansatzweise auch Antworten, um daraus Rückschlüsse zu ziehen für die Beurteilung der Praxis.

In der Museumspraxis stellen sich Fragen an den Tourismus resp. die Tourismus-Branche hauptsächlich in vier Bereichen:
1. in Museumsmanagement und Museumsleitung, um das Museum im betroffenen übergreifenden Interessengeflecht, dem wirtschaftspolitischen und kulturpolitischen Beziehungsgefüge zu verorten und dabei auch die museumspezifischen Anforderungen zu behaupten,
2. in der Museumsverwaltung, um die Statistik zu führen, um institutionelle, organisatorische, insbesondere betriebswirtschaftliche Konsequenzen aufeinander abzustimmen,
3. in der musealen Öffentlichkeitsarbeit, um die Zusammenarbeit mit Partnern der Tourismus-Branche konkret zu vereinbaren und konsequent umzusetzen, - und
4. in Museumspädagogik bzw. Besucherdienst, um Touristen vor Ort unmittelbar mit qualifizierten zu begleiten und zu betreuen.

Die Bedeutung des Tourismus nach Besuchszahlen und deren divergierende Auswertung
(Schlagworte)
Touristen als zweitstärkste Besuchergruppe
Besucher oder Kunde?
Was ist Zielgruppendenken wert?
Bewegen in Szenen
Kümmern um Adressaten
Bedeutung der Besucherzahlen

Museumsarbeit im Wandel: Perspektiven des neuen Museumsmarketings
Folgen kommerzieller Orientierung
Umwerben von Besuchern
Museumsarbeit wird zur Disposition gestellt.
Einbindung von Ausstellungen in langfristigen Kampagnen
Beispiel: CranachKampagne im Sommer 1994
Großprojekte von Freizeit- und Erlebnisparks reichen bis in die Museumspraxis
Museen als bloße Zubringer der Tourismus-Branche
Den eigenen Standpunkt musealer Interessen klar definieren und vermitteln.
Wachsende Bedeutung des Museumsmarketings

Keine einmaligen und keine neuen Auseinandersetzungen
Verhältnis von kommerziellen und öffentlichen Anforderungen
"Produkteplan"

Beispiel Werbung
"Was haben Kunst und ... gemeinsam?
Einfluß der Museen und ihrer Bildungsarbeit

"Versöhnung von Markt und Ethos" ?
Versöhnung von Tourismus und Museum
Vorzüge der Museen erkennen und bewußt machen

Die wirkliche Welt des Museums in der virtuellen Welt der Medien - Die Einheit der musealen Aufgaben
Drang nach digitaler Verfügbarkeit musealer Bestände
Aktuelle Diskussion über "Leitbilder" für Museen und ihre Produkte
Unverwechselbares Profil der Museumsarbeit verankern

Zusammenfassung:

1. Angesichts der emotionalisierten Debatten scheint Versachlichung besonders wünschenswert. Berührungsängste oder bloße Abgrenzung gegenüber dem Tourismus sind sicher keine Lösung. Der Tourismus ist einer der stärksten Wirtschaftspartner für Museen. Unter den maßgeblichen Fachmessen sind es vor allem die Tourismus-Messen, die den Museen vorrangig ein Forum bieten mit eigenen Messe-Ständen, zahlreichen Informationsbroschüren, ebenso als Sponsor. Aber auch unabhängig davon, über den Museumshorizont hinaus erweist sich die hervorragende Bedeutung des Tourismus. Er ist unbestritten ein maßgeblicher ökonomischer und gesellschaftlicher Entwicklungsmotor, in manchen Regionen sogar die einzige wirtschaftliche Grundlage. Urlaubsreisen und Autobesitz gelten im bundesdeutschen Freizeitverhalten und Lebensstil als unverzichtbar.

2. Manche Probleme beruhen auf den unterschiedlichen Arbeitsrhythmen. So fragen Tourismus-Planer mit zweijährigem Vorlauf nach verbindlichen Informationen über Sonderausstellungen, Termine und viele Details, die sie für Prospekte, Broschüren, langfristige Maßnahmen benötigen, um ihre "Produkt"-Linie zu entwickeln. Andererseits fehlt den Museen eine entsprechende Sicherheit, und es ist oft ungewiß, ob Ausstellungspläne überhaupt verwirklicht werden können.

3. Ein noch tieferes Problem liegt in den unterschiedlichen Sprachen und Mentalitäten. Hier ist ein Dialog mit der Tourismus-Branche vonnöten, der die Rede zum Beispiel von Kultur- und Museums-"Produkten" nicht gleich als Verrat an Museen oder Kultur beargwöhnt, sondern die Bedürfnisse der anderen Seite respektiert, ohne das eigene Profil aufzugeben.

4. Ein intelligentes Marketing ist zu wünschen zu beiderseitigem Vorteil, bei dem Touristen nicht nur als "Fremdkörper" in Museen geduldet, sondern mit einer differenzierten, "buchbaren" Angebotspalette musealer Leistungen angeregt werden. Schließlich sind Marketing-Strategien nicht per se als schlecht und kulturwidrig zu verwerfen. Deshalb bedarf es differenzierter Angebote für Touristen. Aber auch dies kann nicht im Alleingang gelingen, sondern bedarf des kontinuierlichen Dialogs.

Ein wesentlicher nicht zu unterschätzender Vorteil liegt bei den Museen. Sie bewahren, was den Tourismus anregen kann: die Authentizität der Sammlungen, die Aufrichtigkeit und die Glaubwürdigkeit des Echten. Gerade im Zeitalter der Medien sind das ganz herausragende unverwechselbare Werte. Mit diesen Pfunden können die Museen in der Diskussion mit dem Tourismus und Kulturmarketing wuchern.

43 Anmerkungen
 
 
 

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