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Stand: Nov. 2014




























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 Chancen und Grenzen 
 musealer Lehr- und Lernkultur
 in: Informationen des Sächsischen Museumsbundes e.V.,
 Hg.: Sächsischer Museumsbund e.V., Dresden,
 Nr. 22, Dresden, Aug. 2001, ISSN 0949-393X
 S. 75 - 77
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Chancen und Grenzen musealer Lehr- und Lernkultur

von Arnold Vogt, Leipzig

Am 6. und 7. Mai 2001 berieten 65 Museumspädagoginnen und Museumspädagogen in Dresden über „Museen und Schulen in Sachsen. Perspektiven einer neuen Partnerschaft". Eingeladen hatten der Arbeitskreis Museumspädagogik Ostdeutschland e.V. (AKMPO e.V.) und das Deutsche Hygiene-Museum. Sie knüpften an die Diskussion, die über „Museen und Schulen..." im April 1999 in Meißen1 begonnen, im November 2000 in Leipzig2 fortgeführt worden war. Standen anfangs in der ersten Tagung in Meißen noch eine kritische Bestandsaufnahme von Schul- und Museumspädagogik im Vordergrund, außerdem Vorstellungen zur bevorstehenden Lehrplanrevision in Sachsen, so kamen in den Folgetagungen in Leipzig und Dresden moderne, konstruktivistische Ansätze im modernen Lehr- und Lernverständnis zu Wort. Dazu sprachen Experten aus Erziehungswissenschaft, Psychologie, Museologie, Geschichtsdidaktik, Religions- und Kunstpädagogik, des weiteren Kollegen aus der Praxis an kulturgeschichtlichen Museen, an Technikmuseen und an Science-Zentren, sowie in Schulausstellungen, Workshops, schulrelevanten museumspädagogischen Schriften und Materialien.

Übereinstimmend wurden Vorurteile festgestellt, die das Miteinander von Museen und Schulen in der Praxis belasten. In diesem Sinne klagte Dr. Michael Kiupel3 (Universität Flensburg): „Wie sehr „Lernen" mit „schulischem Lernen" gleichgesetzt wird, ... dass mit Lernen in unserer Kultur weitgehend Mühe, Schwierigkeiten und harte Arbeit verbunden werden. Bei unserem Begriff von Lernen denken wir normalerweise wenig an Spaß und Entspannung. Insofern nehmen dann viele Museumsbesucher ihre Lernerfahrung nicht als solche wahr." Kiupel konstatierte forderte eine Neuorientierung und erinnerte zugleich an eine alte (bisher nicht erfüllte) Forderung von Pädagogen nach „Unmittelbarkeit".

Auf neue Wege wiesen gleich mehrere Beiträge: Prof. Dr. Jörg Knoll und Karin Hoser sowie Dr. Iris Mortag (Erziehungswiss. Fakultät der Universität Leipzig), Dr. M. Kiupel, Prof. Dr. Max J. Kobbert (Kunstakademie Münster), Cornelia Hähne (Technischen Universität Dresden) und Prof. Arnold Vogt (Museologie / HTWK Leipzig). Sie plädierten für eine neue (konstruktivistische) Sicht schulischen und musealen Lernens. Dabei sind Erfahrungs- und Subjektorientierung im Kontrast zum sogenannten (herkömmlich) schulischen Instruktivismus zu verstehen. Andererseits bedeute die Subjektorientierung keinen Gegensatz zur Objektzentrierung, wie Professor Kobbert aus psychologischer Sicht darlegte. Er plädierte für „eine dem menschlichen Erleben angemessene Objektzentrierung als Konsequenz einer zu Ende gedachten Subjektzentrierung. ,Faszination Museum' ist möglich."4 Praktische Konsequenzen wurden in Workshops5 beraten am Beispiel von schriftlichen didaktischen Materialien6, von Führungs- und Gesprächskonzepten, von Film-, Ausstellungs- und „Lernwerkstätten". Dabei bleibt das museale Objekt Basis und Ausgangspunkt für die musealen Ausstellungs- und Bildungsangebote. Unbeschädet ihrer musealen Spezifik wurde deren curriculare Verknüpfung diskutiert, aber auch deren Ergänzung. So forderte Professor Dr. Dietmar Klenke eine stärkere Beachtung der Musikkultur.

Insgesamt wurden Perspektiven eines neuen Lern- und Lehrverständnisses deutlich, die von den Referenten aber durchweg im bildungs-, museums- und ausstellungshistorischen Kontext betrachtet wurden. So gesehen erscheint die Forderung nach einer Neu-Orientierung von Museen und Schulen durchaus im Einklang mit einschlägigen früheren Diskussionen in der Reformpädagogik u.a.. Wer will, kann zur „Werkstatt"-Idee sogar museumshistorische Vorläufer erkennen, so zum Beispiel in der Museumspädagogik von Adolf Reichwein.7 Andererseits werden Forderungen nach selbstgesteuertem, „lebendigem Lernen" heute mit wachsender Kraft erhoben, so dass sogar von einer neuen Lehr- und „Lernkultur" die Rede ist.8 Daraus erwachsen neue Chancen für den außerschulischen „Lernort" Museum, insbesondere auch für ein verbessertes Miteinander mit den Schulen. In diesem Sinn bestehen noch zahlreiche ungeklärte Fragen, auf die Iris Mortag verwies: „Fragen an die Schulpädagogik und Didaktik..., die im Interesse eines zeitgemäßen schülerorientierten didaktisch-methodischen Arrangements von Lehr-und Lernprozessen dringend einer Antwort bedürfen".9 Dazu boten die Fachtagungen des AKMPO e.V. ein Forum, um über „Museen und Schulen in Sachsen..." neu zu diskutieren und neue Perspektiven zu erarbeiten.

Die Tagungen wurden begleitet und unterstützt vom Sächsischen Museumsbund, und sie unterstanden der Schirmherrschaft des Kultusministers Dr. Matthias Rößler. Dazu sprach Friedhelm Piepmeyer vom sächsischen Kultusministerium zum Geleit der neuen Tagung in Dresden. Er würdigte die Zusammenarbeit von Museen als bedeutende „sekundäre Lernorte", doch umgekehrt die Schulen als häufigst erwähnte Zielgruppe der Museen.10 Der Vorsitzende des Sächsischen Museumsbundes, Friedrich Reichert, ermutigte ebenso zur Zusammenarbeit mit den Schulen. Der Gastgeber, Klaus Vogel, Direktor des Deutschen Hygiene-Museums, betonte die Bedeutung der musealen Bildungsarbeit.

Die Dresdner Tagung bot auch die Gelegenheit zur Erinnerung; denn vor zehn Jahren, am 26.Januar 1991, wurde der Arbeitskreis Museumspädagogik Ostdeutschland e.V. im Pergamon-Museum zu Berlin gegründet, wo der nächste Bundeskongress im Oktober 2001 stattfinden soll.11 Er wird gemeinsam vom Arbeitskreis und vom Bundesverband Museumspädagogik veranstaltet, der dann ebenso auf ein Jahrzehnt seines Wirkens zurückblicken kann.

Anmerkungen
1) Vgl. ausführliche Tagungsdokumentation des AKMPO e.V. über „Museen und Schulen in Sachsen..." vom 18. und 19. April 1999 mit 90 Teilnehmern in der Dompropstei zu Meißen, in: Informationen des Sächsischen Museumsbundes e.V.: Heft Nr. 18/1999, S. 81-84, Nr. 19/1999, S. 41-117.
2) Im November 2000 tagten 85 Museumspädagogen über „Museen und Schulen... II" auf Einladung des AKMPO e.V. und des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig (ZFL). Schwerpunkte waren Lerntheorie und -praxis, neue Vermittlungskonzepte zum historischen Lernen, in Musik-, Religions- und Kunstpädagogik. Dazu sprachen Experten aus Forschung, Schul- und Museumspraxis - in Vorträgen, Workshops und Arbeitsgruppen. Vorträge fanden nicht „nur" im ZFL statt, sondern auch im Stadtgeschichtlichen Museum, im Bach-Museum und im Gohliser Schlösschen. Darüber hinaus wurden die Tagungsteilnehmer auch in anderen Einrichtungen zu Workshops freundlich empfangen. Teils wurden Vorträge auch musikalisch dargeboten, so der musik- und geschichtsdidaktische Vortrag von Professor Dr. Dietmar Klenke, Paderborn, live im Festsaal des Leipziger Rathauses.
3) Michael Kiupel, Natur und Technik begreifen: Die Phänomenta in Flensburg, in: Museum aktuell. Die Zeitschrift für Museumspraxis und Museologie im deutschsprachigen Raum: Heft-Nr. 69, Mai/Juni 2001, S. 2816-2820.
4) Vgl. auch: Max J. Kobbert, Kunstpsychologie. Kunstwerk, Künstler und Betrachter, Darmstadt 1986.
5) Workshops waren angekündigt von Anja Gruber (Museum der Westlausitz Kamenz), Dr. Iris Mortag (Erziehungswiss. Fakultät d. Univ. Leipzig), Marion Neumann (Deutsches Hygiene-Museum Dresden), Dr. Martin Börnchen (Galilei-Gymnasium Hamm), Peter Degenkolb (Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden), Dr. Peter Kolb (Museumspäd. Zentrum / Neue Pinakothek München), Lutz Reike (Stadtmuseum Dresden), Michael Wendt (Technische Sammlungen, Dresden).
6) Vgl. Referat von Dr. Freimut Scholz: Aktivblätter im Museum. Gesichtspunkte, Erfahrungen und Thesen zur Diskussion, vervielfältigte Skripten des Landesarbeitskreises Museumspädagogik Bayern e.V., München 1993. - Vgl. auch Landschaftsverband Rheinland / Rheinisches Museumsamt (Hg.), Arbeitsbögen im Museum, Köln 1989. - Melanie Ohde und Karl A. Wiederhold, Mit Grundschulkindern das Kunstmuseum entdecken, Donauwörth 1994, S. 49-52 (Didaktische Materialien).
7) Ullrich Amlung und Uli Jungbluth, Seminarwerkstatt Offener Unterricht - am Beispiel Adolf Reichwein lernen, Studientexte für das Lehramt: Band 3, Neuwied, Kriftel 2000, S. 71-80 („Lernwerkstatt Museum"). - Vgl. Dietmar Larcher, Lernen im Museum - Lernen in der Schule, in: Gottfried Fliedl (Hg.), Museum als soziales Gedächtnis? Kritische Beiträge zu Museumswissenschaft und Museumspädagogik, Klagenfurt 1988, 5.166 ff.
8) Rolf Arnold und Ingeborg Schüßler, Wandel der Lern-Kulturen, Ideen und Bausteine für ein lebendiges Lernen, Darmstadt 1998.
9) Arnold Vogt, Museen und Schulen. Neue Perspektiven im Dialog zwischen Museologie und Didaktik, in: Museologie und Philosophie, ICOFOM-Studien / ICOFOM Study Series: Bd. 32, München 2000, 5.125-135.
10) Ausdrücklich wies Piepmeyer auf die neue Förderung des Museumsbesuchs hin: Förderrichtlinie des Sächs. Staatsministeriums für Kultus zur Gewährung von Zuwendungen für schulische Projekte unterrichtsergänzender Angelegenheiten..., in: Sächs. Amtsblatt Nr. 11 vom 15.3.2001, S. 295f.
11) Der AKMPO e.V. ist gemeinnütziger Fachverband für Fragen musealer Bildung und Vermittlung im Gebiet der neuen Bundesländer, zugleich Mitglied des Bundesverbandes Museumspädagogik e.V. (Amtsgericht Berlin-Charlottenburg, Nr. 11084 Nz). Wichtige Anliegen sind Professionalisierung in soziokulturellen Aufgaben, insbesondere in der musealen zielgruppenorienten Kultur- u. Medienarbeit auf regionaler und überregionaler Ebene. Dazu arbeitet der AKMPO e.V. zusammen mit Museen, Hochschulen und anderen Bildungsträgern, und er bildet regionale und fachliche Arbeitsgruppen. Vgl. Standbein Spielbein, Museumspädagogik aktuell Nr. 49/1997.
 
 
 

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